Die Last des Funktionierens: Warum wir neue Wege im Umgang mit Erschöpfung brauchen
Die Last des Funktionierens: Warum wir neue Wege im Umgang mit Erschöpfung brauchen
Stand: 12.04.2026, 15:11 Uhr
Von: Franziska Büschelberger
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Erschöpfung entsteht nicht nur durch Arbeit, sondern durch ständige Anpassung. Ein buddhistischer Gedanke zeigt einen Ausweg aus der Falle. Die Kolumne
Erschöpfung kommt nicht nur von zu viel Arbeit. Sie entsteht auch dort, wo Anpassung als Stärke gilt. Wer funktioniert, wirkt verlässlich. Wer schweigt, gilt als loyal. Wer die eigenen Bedürfnisse zurückstellt, ist belastbar. Diese soziale Logik prägt Arbeitsleben, Beziehungen und Familien. Und sie hat einen Preis: Ein Leben, das nach außen stabil wirkt, kann innerlich längst auf Verschleiß laufen.
Viele Menschen tragen eine innere Last in sich, für die sie keine klaren Worte finden.
Sie kümmern sich, tragen Verantwortung, sind verlässlich. Auf andere wirkt das stabil – vielleicht sogar stark. In Wahrheit breitet sich in ihnen längst etwas anderes aus: Müdigkeit, Erschöpfung, Leere. Irgendetwas signalisiert: Dieser Zustand tut mir nicht gut – und doch spricht vieles dafür, weiterzumachen. Weil Pflichten da sind und weil das Vertraute oft sicherer wirkt als Veränderung.
Viele Menschen sind anpassungsfähig. Sie lernen zu funktionieren, ohne zu stören, und zu schweigen, bevor sie missverstanden werden. Sie halten Schmerz aus und suchen Fehler bei sich, weil es einfacher ist, sich selbst zu optimieren, als den eigenen Bedürfnissen nachzugeben.
Ich kenne das auch von mir. Über Jahre habe ich weitergemacht, obwohl in mir längst etwas auf Widerstand schaltete. Das macht es manchmal umso schwerer, Situationen zu deuten, Reaktionen auszuhalten oder Gefühle einzuordnen.
Einen Gedanken aus buddhistischer Perspektive finde ich hier sehr hilfreich: Viel von unserer Anpassung hat damit zu tun, woran wir uns innerlich binden, um Halt zu finden. Oft hängt unsere Last nicht nur an dem, was in unserem Leben gerade geschieht, sondern auch an dem, woran wir festhalten, weil wir uns davon Sicherheit versprechen.
Dahinter steht eine tiefe Sehnsucht: Gesehen zu werden, ohne sich verbiegen zu müssen. Verstanden zu werden, ohne sich zu erklären. Geborgenheit zu erhalten, ohne Bedingung. Der buddhistische Gedanke fragt, woran unser Geist sich festhält. Wovon wir abhängig geworden sind, um uns sicher zu fühlen.
Vielleicht ist es Anerkennung. Vielleicht das Gefühl, gebraucht zu werden. Vielleicht auch die Hoffnung, dass uns die Menschen, für die wir da sind, irgendwann das geben, was uns innerlich fehlt. Daran ist nichts falsch. Wichtig zu wissen ist nur: Alles, worauf wir uns im Außen stützen, ist beweglich. Menschen verändern sich. Gefühle verändern sich. Nähe verändert sich. Wer darin Beständigkeit sucht, muss früher oder später erschöpfen.
KolumneEin Wal und andere Tiere: Timmy und wir verdienen mehr
Nicht nur die Last selbst zehrt an uns, sondern auch die Gewohnheit, sie für normal zu halten. Schwer ist nicht nur Verantwortung – schwer ist auch der Versuch, an etwas festzuhalten, das uns keinen verlässlichen Halt geben kann.
Der buddhistische Gedanke hilft zu erkennen, wo aus einem verständlichen Wunsch eine innere Abhängigkeit geworden ist. Und zu begreifen, dass wir uns manchmal an etwas ketten, das uns Kraft und Lebenszeit entzieht.
Vielleicht beginnt innere Leichtigkeit nicht dort, wo wir mit aller Kraft Ordnung halten, sondern dort, wo wir erkennen, dass uns nicht alles trägt, woran wir uns binden. Nicht jede Last lässt sich abwerfen, aber wir sollten aufhören, im Aushalten die einzige Lösung zu sehen. Damit beginnt Veränderung.
