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FR-üh dran: Erst Kritikerin, dann Bewunderin – Reiche klaut Gaskonzept von Habeck

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17.02.2026

FR-üh dran: Erst Kritikerin, dann Bewunderin – Reiche klaut Gaskonzept von Habeck

Stand: 17.02.2026, 05:59 Uhr

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Wirtschaftsministerin Reiche muss erklären, warum Deutschlands Gasspeicher bedrohlich leer sind. Die Grünen fordern Antworten. Die Lage am Morgen in „FR-üh dran“.

Berlin – FR-üh Radar – das steht heute an: Der Wirtschaftsausschuss des Bundestags trifft sich heute zur Sondersitzung. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) muss sich zu den dramatisch niedrigen Gasspeicherständen erklären. Die Sitzung initiiert hat die Bundestagsfraktion der Grünen. Wir zeigen auf, warum die Zahlen alarmierend sind, welche Lösungsansätze diskutiert werden und warum Reiche in Sachen Gas auf den Spuren von Robert Habeck wandelt.

Wir erklären Ihnen, wie es dazu kam: Der Füllstand der deutschen Gasspeicher ist im Februar auf unter 25 Prozent gefallen. Wie das Handelsblatt berichtet, liegt der aktuelle Füllstand sogar unter dem Wert vom 15. Februar 2022 - wenige Tage, bevor der Ukraine-Krieg ausbrach. Der damalige Wirtschafstminister Robert Habeck leitete im Angesicht der russischen Invasion einen grundlegenden Systemwandel ein, der Deutschland unabhängiger von russischem Gas machen sollte. LNG-Terminals zum Import von Flüssiggas vornehmlich aus den USA wurden errichtet.

Hier erfahren Sie, worum es geht, worauf es ankommt und woran es hängt: Reiche gibt sich trotz alarmierender Zahlen zu den Gasspeichern gelassen. Man könne wegen der LNG-Terminals flexibel agieren, die Versorgung sei gesichert. Die Opposition sieht das anders. Michael Kellner, energiepolitischer Sprecher der Grünen, wirft Reiche vor, „Gaskunden in falscher Sicherheit“ zu wiegen. Besonders brisant: In einem internen Papier der Unionsfraktion vom 9. Februar heißt es, es „sollte die Einführung einer strategischen Gasreserve geprüft werden“. Damit wandelt Reiche auf den Spuren ihres Vorgängers Robert Habeck, der ähnliche Überlegungen angestellt hatte, und dafür von der CDU attackiert worden war.

Neue Wirtschaftsministerin Katherina Reiche: Hinter den Kulissen war sie die ganze Zeit dabei

Espresso-Argumente für die Kaffeeküche

Mit diesen Argumenten punkten Sie bei der politischen Debatte in der Kaffeeküche: „Reiche macht endlich Schluss mit Habecks chaotischer Energiepolitik“ – Die Kritik und Häme, die Reiche und die CDU im Wahlkampf über Robert Habeck ergossen, entpuppt sich ein Jahr nach der Bundestagswahl als pure Wahlkampfrhetorik. In Sachen Energiepolitik und Gasversorgung übernimmt Reiche weitgehend die Konzepte des Grünen-Politikers.

„Die Gasversorgung ist doch gesichert, wir haben ja die LNG-Terminals“ – Selbst die Privatwirtschaft sieht in Sachen Gasversorgung strukturelle Probleme. Wie Carsten Franzke von SKW Piesteritz, einem der größten industriellen Gasverbraucher Deutschlands, dem Handelsblatt sagte: „Die Gasversorgungslage ist im Moment zwar nicht kritisch. Wir sehen aber eine hohe Vulnerabilität. Schon kleinste Störungen können das System ins Wanken bringen.“ Die LNG-Terminals bieten zwar Flexibilität, aber keine strategische Reserve für Krisenzeiten.

„Der Markt regelt das schon, der Staat soll sich raushalten“ – Diese neoliberale Denkweise ignoriert die Realität des Gasmarkts. Das bisherige Marktmodell ist zusammengebrochen, weil Händler auf staatliche Notfallkäufe spekulieren. Ohne staatliche Intervention droht eine Versorgungslücke im nächsten Winter.

Lesen Sie hier schon heute, was als nächstes passieren wird: Für Reiche und die Bundesregierung wird die heutige Sondersitzung des Wirtschaftsausschusses nur der Auftakt für eine längere Debatte sein. Viele Details einer möglichen strategischen Gasreserve sind noch ungeklärt: Wie groß soll sie sein? Wie viele Speicher braucht es? Wer organisiert die Beschaffung? Reiche muss außerdem die Frage beantworten, warum ihre Konzepte inhaltlich so an Habecks Pläne erinnern, obwohl sie diese vor der Bundestagswahl noch so heftigt kritisiert hatte.

FR-üh dran – die Lage am Morgen

„FR-üh dran - die Lage am Morgen“ informiert Sie jeden Morgen über den wichtigsten Termin des Tages. Wir fassen zusammen, was ansteht, wie es dazu kam und was daraus folgt. Außerdem rüsten wir Sie als FR-Leser:in mit Argumenten für die politische Debatte in der Kaffeeküche, am Mittagstisch und auf dem Schulhof.

Auf unserer Themenseite finden Sie alle Ausgaben von „FR-üh dran - die Lage am Morgen“ in der Übersicht und noch mehr gute Gründe, warum „FR-üh dran“ zu Ihrem täglichen Morgenritual werden sollte.

Sie sind anderer Meinung, Ihnen fehlen Argumente oder Sie haben ein Thema, dem wir uns in der Kolumne annehmen sollen? Dann schreiben Sie uns oder diskutieren Sie mit in der Kommentarspalte unter diesem Artikel.

Eine „fast übermenschliche Leistung“ habe Robert Habeck in seiner Amtszeit erbracht. Mit diesen Worten würdigte Katherina Reiche im Mai 2025 bei der Amtsübergabe die Arbeit ihres Vorgängers. Habeck war ob der Überschwänglichkeit der CDU-Frau sichtlich gerührt. Dabei hatte ebenjene Reiche im Wahlkampf 2025 Habecks Energiepolitik noch scharf kritisiert. Heute plant sie wie einst der der Grünen-Politiker eine strategische Gasreserve. Im dreiteiligen Drama der deutschen Energiepolitik wechselt Reiche gekonnt die Rollen: Erst Habecks Kritikerin, dann die Bewunderin und schließlich seine Nachahmerin. (Quellen: dpa, Handelsblatt) (dil)


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