Mit Ernst Moritz Arndt gegen die AfD
Demokratieförderung : Mit Ernst Moritz Arndt gegen die AfD
Erinnerungsorte, Gesprächsforen, Bildungsarbeit: Es herrscht kein Mangel an Initiativen, um die Demokratie zu stärken. Wissenschaftlich beweisbar ist ihr Nutzen oft nicht. Schlimmer noch: Sie erzeugen Abwehrreflexe.
Die deutsche Demokratie wird gerade an vielen Orten gerettet, auch auf dem Großen Feldberg. Dort oben in 878 Meter Höhe, neben dem Kinderspielplatz, steht seit ein paar Wochen eine mannshohe Stele, zusammengeschraubt aus zwei Brettern, der Fuß mit Steinplatten beschwert. Wäre sie rot-weiß gestrichen, könnte man sie für die Warnbake einer Baustelle halten. Doch dieses Objekt dient edleren Zielen.
Daseinszweck des hölzernen Windfangs ist die Würdigung der Volksherrschaft. Die Stele weist den höchsten Taunusberg als „Ort der Demokratie“ aus: Wie der angebrachten Tafel zu entnehmen ist, entzündete der Dichter Ernst Moritz Arndt dort 1814, ein Jahr nach der Völkerschlacht bei Leipzig, ein großes Freudenfeuer. Außerdem wird hier seit 1844 das älteste Bergturnfest im deutschsprachigen Raum veranstaltet.
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Ernst Moritz Arndt, Kämpfer gegen napoleonische Fremdherrschaft, aber auch Antisemit und Franzosenfeind, und die Turnerbewegung, der Nationalismus und Judenhass ebenfalls nicht fremd waren: Es braucht schon Sinn für Dialektik, um beide als Demokratiepaten zu vereinnahmen. Gebildetere Anhänger jener Rechtspartei, für welche die Urheber der Stelen-Aktion vermutlich keine Sympathie hegen, dürften Persönlichkeiten wie Arndt und „Turnvater“ Friedrich Ludwig Jahn zu ihren historischen Helden zählen.
87.000 Euro für „Demokratie-Orte im Taunus“
Der Feldberg ist nur einer von 27 „Demokratie-Orten im Taunus“, die aus Anlass der „World Design Capital“ mit Stelen und Tafeln hervorgehoben werden. Ein Jahr lang ist das Rhein-Main-Gebiet Welthauptstadt des Designs, und das übergreifende Motto lautet „Design for Democracy“. Auch das Philipp-Reis-Haus in Friedrichsdorf gehört zu den ausgewählten Gedenkstätten. Dort wohnte einst der Erfinder des Telefons, und das Fernsprechen hat ja irgendwie auch die Kommunikation demokratisiert: Man musste nun nicht mehr des Lesens und Schreibens kundig sein, um wertvolle Gedanken über........
