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Was uns der Karfreitag sagt

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03.04.2026

Kriege, Krisen, Egomanen : Was uns der Karfreitag sagt

Die Passionsgeschichte ist ein Panoptikum der Niedertracht. Damit ist sie sehr aktuell – und hält auch heute noch eine Hoffnung bereit.

Die Osterfeiertage bilden ähnlich wie Weihnachten eine Gelegenheit zur Bilanz: Sobald alle farbigen Eier gefunden sind, die dringlichsten Begebenheiten erzählt wurden und der zweite Kaffee in der Tasse dampft, wird im Kreis der Familie das Geschehen der zurückliegenden Zeit resümiert. Der Mensch verortet sich so im Strom der Zeit und setzt sein persönliches Ergehen in ein Verhältnis zum Lauf der Welt.

Der Horizont solcher Betrachtungen hat sich allerdings merklich eingetrübt. Besonders der gerne herangezogene Zehnjahresvergleich zwischen der Welt von 2016 und der Welt von 2026 fällt düster aus. Blickt man eine Dekade zurück, erkennt man eine vergleichsweise wohlgeordnete Welt: Der Wohlstand stieg, der Gedanke an Krieg schien so fern wie in den Jahrzehnten zuvor, und auf internationaler Ebene formte sich ein ernsthafter Wille, die Ökosysteme des Planeten zu schützen.

Dürftige Bilanz der Spezies Mensch

Eine Pandemie und mehrere Kriege später ist davon wenig übrig. Die internationale Ordnung zerfällt, und die Weltbühne wird zunehmend von fragwürdigen Figuren bevölkert, die mit ihrem Egoismus jedoch auf erkennbaren Zuspruch in ihren jeweiligen Bevölkerungen........

© Frankfurter Allgemeine