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Über einen Anfall von Schachsucht in Mexiko

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06.04.2026

Schach als Obsession : Über einen Anfall von Schachsucht in Mexiko

Kalte Haut und zitternde Hände: Die „Schachnovelle“ von Stefan Zweig hilft auch nicht, es zu verstehen. Mich packte vor vielen Jahren eine rätselhafte  Schachsucht – und verschwand spurlos wieder.

Im Frühjahr 1987 nahm ich mir ein Freisemester, um in Mexiko ein Buch zu schreiben, mein Spanisch zu verbessern und eine andere Art Leben auszuprobieren, als es die Münchener Universität zu bieten hatte. Das Buch, ein Roman, wurde in den folgenden vier Monaten nur halb geschrieben; das Spanische machte schöne Fortschritte; doch das „andere Leben“ nahm schon nach wenigen Tagen eine Form an, die ich nicht vorausgesehen hatte und dessen genauere Beschaffenheit mir auch jetzt, fast vierzig Jahre später, wie ein merkwürdiger, nicht zu entschlüsselnder Traum vorkommt.

In unserem hübschen Mietshaus in Mexiko-Stadt im Stadtteil Coyoacán lernte ich schon in den ersten Tagen einen bärtigen Schweizer kennen, der die Wohnung mit seiner mexikanischen Freundin teilte. Jürg war ein begeisterter Schachspieler. Eines Tages kam er mit Schachbrett und Schachfiguren in unsere Wohnung hinunter und fragte, ob ich Lust hätte, eine Partie zu spielen. Warum nicht, dachte ich, auch wenn ich außer den Regeln nicht viel........

© Frankfurter Allgemeine