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Schöne neue Gas-Welt

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18.02.2026

Flexibel, aber gefährlich : Schöne neue Gas-Welt

Europa verlässt sich zunehmend auf Flüssiggasimporte – vor allem aus den USA. Für die Befüllung der Gasspeicher hat das riskante Folgen.

Die Zeitenwende hat auch den Gasmarkt radikal verändert. Vor Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine stammte knapp die Hälfte der europäischen Gasimporte aus Russland. Heute sind es nur noch 13 Prozent, Ende 2027 soll endgültig Schluss sein. Per Leitung gelangen nur noch aus Norwegen große Mengen in die EU. Dafür wird jetzt deutlich mehr Gas in flüssiger Form (LNG) hierher verschifft. Allein über deutsche Terminals wurde im vergangenen Jahr 54 Prozent mehr als im Vorjahr importiert.

In der Energiekrise haben Deutschland und Europa beeindruckend schnell neue Herkunftsländer gefunden und Importterminals gebaut. Auch die Preise haben sich beruhigt; bei 30 Euro je Megawattstunde scheint sich ein neues Gleichgewicht eingestellt zu haben. Doch es gibt auch Schattenseiten der schönen neuen Gas-Welt.

Trump könnte Flüssiggas als Druckmittel einsetzen

LNG wird, anders als Pipeline-Gas, in Europa überwiegend kurzfristig gehandelt. In guten Zeiten erhöht das die Flexibilität. In schlechten Zeiten drohen neue Abhängigkeiten, weil Lieferungen kurzfristig in andere Regionen der Welt umgelenkt oder gar ganz gestrichen werden können. Besonders im Fokus stehen die USA. Schon jetzt bezieht die EU knapp ein Drittel ihrer gesamten Gasimporte von dort, und Brüssel hat Donald Trump im Sommer weitere Einkäufe versprochen. Nicht ausgeschlossen ist, dass der impulsive Präsident irgendwann LNG als nächste geopolitische Waffe entdeckt.

So mancher sieht für diesen Fall schon die nächste Energiekrise am Horizont heraufziehen. Den Export der Mengen nach Europa ersatzlos zu streichen, hätte für Trump, dem in den USA hohe Lebenshaltungskosten angekreidet werden, den angenehmen Nebeneffekt, dass die Preise dort sinken würden.

Gaslieferungen im Sommer werden teurer

Eine weitere Schattenseite der schönen neuen Gas-Welt ist ein geringerer Grad an Versorgungssicherheit. Denn auch für die Befüllung der Speicher hat der höhere LNG-Anteil Folgen. Traditionell wurde Gas im Sommer ein- und im Winter ausgespeichert. Damit konnten Beschaffung und Verbrauch ein Stück weit entkoppelt und Lastspitzen abgefedert werden. Dieses Geschäftsmodell funktioniert heute zunehmend schlechter. Weil immer mehr LNG auf den Markt drängt, welches zudem auch im Winter kurzfristig verfügbar ist, sinkt der Preisaufschlag für Lieferungen in dieser Jahreszeit.

Gas im Sommer einzuspeichern, lohnt sich hingegen weniger, weil der Preisunterschied die Kosten nicht mehr zuverlässig deckt. Wenn Brüssel und Berlin dann noch Füllstandsvorgaben festlegen, treiben sie die Preise weiter nach oben, weil alle am Markt wissen, dass im Sommer sehr viel eingekauft werden muss. Im Extremfall wird Gas zur Lieferung im Sommer dann teurer als zur Lieferung im darauffolgenden Winter.

Speicher haben sich rapide geleert

Was das in der Praxis bedeutet, hat sich in dieser Heizperiode gezeigt. Bei anfangs vergleichsweise niedrigen Preisen bedienten sich die Händler am Markt. Doch als Mitte Januar klar wurde, dass der Winter kälter wurde als gedacht, schossen die Preise in die Höhe. Für die Händler war es plötzlich wieder günstiger, den Speichern Gas zu entnehmen, statt am Markt zu kaufen. In der Folge leerten sich die Speicher rapide. Um die Versorgung in diesem Winter sicherzustellen, dürfte es zwar gerade so reichen. Doch in der Folge wird das Land mit noch niedrigeren Füllständen als im Jahr zuvor aus dem Winter herausgehen. So kann es passieren, dass fast 50 Prozent mehr Gas eingespeichert werden muss – ohne dass dies wirtschaftlich attraktiver geworden wäre. Wie das klappen soll, ist völlig unklar.

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Was also tun? Speicherbetreiber wie Uniper, Sefe oder EWE fordern die Einrichtung einer nationalen Reserve nach österreichischem Vorbild. Die Idee: Ein Teil der Speicher wird in staatlichem Auftrag befüllt, um abseits des Marktes für den Notfall zur Verfügung zu stehen. So sollen auch Spekulanten abgeschreckt werden. Im Idealfall müsste nur einmal investiert, die Reserve aber nie eingesetzt werden. Die Kosten könnten über die gerade in den Bundeshaushalt verschobene Gasspeicherumlage getragen werden.

Nun muss man immer vorsichtig sein in der Beurteilung von Vorschlägen, an denen die Ideengeber gut verdienen, die aber von den Verbrauchern oder gar Steuerzahlern finanziert würden. Doch in Anbetracht der Umstände scheint die Idee einen Blick wert. Mit Prävention lässt sich politisch wenig gewinnen. Doch es steht zu viel auf dem Spiel, um auch im nächsten Winter wieder nur dem Prinzip Hoffnung zu folgen.

Hanna DeckerRedakteurin in der Wirtschaft.

Redakteurin in der Wirtschaft.

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