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„Die Schüler sollen lernen, Russland zu lieben“

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01.04.2025

„We will not fade away“ (My ne zgasnemo) von Alisa Kovalenko porträtiert fünf Jugendliche, die zwischen 2019 und 2022 in der ostukrainischen Donbass-Region aufwachsen. Seit 2014 kämpft dort das ukrainische Militär gegen prorussische Separatisten. Für ihre Dokumentation, die gerade in der Berlinale-Jugendsektion Generation 14plus Premiere feierte, begleitete Kovalenko, Jahrgang 1987, die Jugendlichen Andriy, Lera, Liza, Illia und Ruslan in ihrem Alltag. Nur eine gemeinsame Reise in das Himalaja-Gebirge, die der ukrainische Forscher Valentyn Shcherbachev organisiert, ermöglicht ihnen eine kurze Auszeit von der Gewalt.

 

fluter.de: Ihre Dokumentation „We will not fade away“ spielt im Donbass, allerdings vor Beginn des russischen Angriffskriegs. Wissen Sie, wie es aktuell dort aussieht?

Alisa Kovalenko: Manche Teile sind komplett zerstört, da ist niemand mehr. Andere sind besetzt. Dort werden die Menschen mit russischer Propaganda übersät, auch an den Schulen. Im Unterricht sollen diese Kinder lernen, Russland zu lieben. Die meisten Teenager*innen sind proukrainisch eingestellt und haben deshalb große Angst, ins Visier der Polizei oder der russischen Sicherheitsbehörde zu geraten. Es ist sehr bedrückend.

Das Gebiet ist seit 2014 umkämpft. Die Jugendlichen, die Sie in Ihrem Film porträtieren, können sich kaum an Zeiten ohne Kriegsgeschehen erinnern. Wie unterscheiden sich ihre Leben von denen anderer Heranwachsender?

Sie haben dieselben Probleme wie andere Jugendliche. Da kommen der Krieg und das Leben in einer abgeschotteten Region halt nur obendrauf. Sie alle haben ein Kriegstrauma, auch wenn sie das nicht unbedingt realisieren, und trotzdem versuchen sie, Spaß zu haben in ihrem Leben. Aber........

© Fluter