Ulli Sima: Die Gouvernante aus dem Wiener Rathaus
Ulli Sima will es nicht mit dem Zeigefinger machen, sagt sie. Lieber mit Humor. Die Kampagne, die den Fahrgästen in öffentlichen Verkehrsmitteln nahebringen soll, dass sie anderen nicht auf die Nerven gehen sollen, zielt genau darauf. „Host kan Genierer?“ ist sehr wienerisch und hat einen Schmunzelfaktor.
Wiens Öffi-Stadträtin hat mit dieser Art der Erziehung der Stadtbewohner schon Erfolge gehabt. „Nimm ein Sackerl für mein Gackerl“, die Kampagne gegen Hundehaufen, hat durchaus zu einer Bewusstseinsänderung geführt. 20 Jahre ist diese Aktion schon alt, mittlerweile ist sie wirklich bei fast allen gesickert. Und der Griff zum Plastiksackerl ist heute bei den meisten selbstverständlich.
Es besteht die Hoffnung, dass auch das laute Telefonieren in U-Bahn, Straßenbahn und Bus oder das Anschauen von Videos ohne Kopfhörer in ein paar Jahren ähnlich gesehen wird. Und man sich wirklich dumm vorkommt, sollte es einem doch einmal passieren.
Und ja, offenbar braucht es solche wenig subtilen Stupser aus dem Rathaus. Damit Verhaltensweisen, die eingerissen sind, wieder verschwinden. Damit ein Bewusstsein entsteht, dass man den anderen auf die Nerven geht – und man sein Verhalten ändert. Strafen können hier wirklich nur der letzte Ausweg sein.
Vermutlich brauchen zumindest einige Menschen in Wien dieses gouvernantenhafte Verhalten der Stadt. Soll so sein. All jene, die sich zu Recht nicht angesprochen fühlen, werden es aushalten. Solange ihnen so durch die anderen ein Ärgernis weniger entsteht. Also, nehmen wir die Genierer-Kampagne halt in Kauf. So wie damals das Gackerl-Sackerl.
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