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Merz meckert

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13.03.2026

Vier-Tage-Woche: Moralpredigt statt Realitätssinn

Herr Merz meckert seit längerem, Deutschland müsse mehr arbeiten – Teilzeit und Vier-Tage-Woche seien Gift für Wettbewerbsfähigkeit. Vorwurfsvoll beklagt er die „Work-Life-Balance“ und meint, damit lasse sich der Wohlstand nicht halten. In der gleichen Tonlage bemängelt er unsere geringe Arbeitsleistung und Arbeitsmoral. Er hält uns nach meinem Empfinden für faul, verlogen und ineffizient und scheint den Alltag eines durchschnittlichen Arbeitnehmers gar nicht zu verstehen. Daher sorgt die Fragestellung, wie lange Menschen theoretisch arbeiten könnten, bei mir für Unmut.  Wichtiger ist: wie lange sie es unter realen Bedingungen tatsächlich schaffen, ohne daran zu zerbrechen.

Zwei Perspektiven auf dieselbe Arbeitswelt

Die Sicht auf diese Diskussion hängt stark davon ab, aus welcher Lebensrealität man schaut. Aus Sicht des Bundeskanzlers müssen wir, Arbeitnehmer, länger in Büros sitzen, in allerlei Verkehrsmittel fahren bzw. diese führen, länger auf Baustellen und an der Kasse arbeiten, länger die anderen versorgen und verarzten und so weiter. Die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung ist dabei nur das i-Tüpfelchen auf dem Berg seiner Ignoranz und seines Misstrauens.

Die nüchterne Rechnung der Demografie

Ökonomisch betrachtet hat Merz genau mit einem Punkt recht: Eine alternde Gesellschaft kann ein umlagefinanziertes Rentensystem nicht unverändert lassen, wenn immer weniger Erwerbstätige immer mehr Rentner finanzieren müssen. Länger zu arbeiten (am besten nach dem Eintritt der Rente flugs abkratzen) entlastet die Rentenkasse schon, so viel Arithmetik kann ich noch. Doch diese Rechnung geht im wirklichen Leben nicht auf. Außerdem betrachtet sie Arbeitsstunden als Zahlen – nicht als Lebenszeit eines Menschen. Sprechen wir erstmal über Zahlen.

Wenn Zahlen auf Lebensrealität treffen

Zum ersten scheiden viele schon vorzeitig aus dem Arbeitsleben aus, sodass höhere Renteneintrittsalter oft nur Kosten zwischen Renten-, Kranken- und Sozialkassen verschieben. Zum zweiten entsteht Wohlstand langfristig eher durch Produktivitätssteigerung als durch mehr Arbeitsstunden. Wenn Produktivität stagniert, hilft auch Arbeitszeit als Stellschraube nicht, vor allem ersetzt........

© Die Kolumnisten