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Vampire im Baumwollfeld

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28.04.2026

Blood & Sinners gehört mit 4 Trophäen (u.a. bester männlicher Hauptdarsteller) zu den großen Gewinnern der Academy Awards 2026.

Ich habe mir den Film vor ein paar Tagen angeschaut – hier mein Eindruck:

Handlung im Zeitraffer

Der Protagonist – streng genommen sind es Zwillingsbrüder (Michael B. Jordan in einer Doppelrolle) – kehrt nach vielen Jahren in der Ferne, wo er (als Gangster?) zu Geld gekommen ist – in seine alte Heimat – das ländliche Mississippi – zurück und eröffnet dort ein Lokal. Am Eröffnungsabend fließt hektoliterweise der Alkohol, die Gäste legen eine flotte Sohle aufs Parkett, und es gibt Livemusik. Speziell ein junger Gitarrist versetzt das Publikum mit seinen Bluesnummern in Ekstase.

Bis hierher ein solides 30-er Jahre Südstaatendrama: strikte Rassentrennung, die Schwarzen schuften auf den Feldern (und feiern abends), die Weißen sind entweder reiche Plantagenbesitzer oder tumbe Klan-Mitglieder, Gewalt/Mord & Totschlag liegen ständig in der Luft, und am Sonntag besuchen alle brav den Gottesdienst (natürlich die Weißen eine andere Kirche als die Schwarzen).

Schöne, opulente Bilder. Man kann die Baumwolle auf den endlosen Feldern des Deep South quasi anfassen und den Schweiß, der beim Pflücken vergossen wird, beinahe riechen.

Nun – wir sind ungefähr bei der Hälfte der Geschichte angelangt – ändert sich schlagartig die Szenerie: drei Vampire tauchen vor dem Tanzschuppen auf und begehren Einlass … mehr soll nicht gespoilert werden.

Zwischen Historie und Horror

Ryan Coogler’s Beitrag überquert die Grenze des klassischen Genre-Kinos. Er nutzt dabei den Horror nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel, um die kulturellen und historischen Tiefenschichten des amerikanischen Südens freizulegen. Die Bedrohung ist nie nur übernatürlich – sie speist sich aus einer Realität, die auch ohne Vampire und andere Spukgestalten täglich von Gewalt, Ungleichheit und Angst geprägt ist. Genau darin liegt die besondere Stärke der Produktion: Das Unheimliche wirkt nicht wie ein Fremdkörper,........

© Die Kolumnisten