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Einerseits, andererseits

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08.02.2026

Weil es mich sehr beeindruckte, was vor ein paar Jahren auf Facebook noch gern geteilte Feel-good-Berichte waren über Initiativen, die den Müll aus der Natur sammelten und richtig entsorgten, habe ich mir meinen Mikro-Beitrag dazu so ausgesucht: Wenn ich in die Arbeit fahre, mache ich einen Abstecher zum hiesigen Badesee und sammle Zigarettenstummel vom Kiesstrand und den umgebenden Wiesen. Es war kalt und nass und keine Badesaison, so dass ich keine Gefahr lief, dass es jemand als eine vorwurfsvolle Geste auffassen könnte. Es war so gut wie niemand da, außer mal eine Gruppe Jugendlicher auf dem Schulwandertag, oder ein paar Hunde-Gassiführer. Auch solche, die rauchten. Ich machte das nur eine kurze Zeitperiode, denn – um ehrlich zu sein – kam dabei nicht sooo viel zusammen. In den Facebook-Memes sprachen die von mehreren Bechern voll in einer halben Stunde. Das sah bei mir anders aus. Gut so, spricht für meine Mitmenschen.

Es war eine meditative Tätigkeit, meine Gedanken schweiften umher, und ich konnte nicht umhin, über diese Zigarettenstummel einen philosophischen Diskurs mit mir selber zu führen. Zigarettenstummel haben heutzutage eine Mindestlänge, nämlich genau die Länge, die der Filter einnimmt. Dieser Filter, der vor ein paar Jahren noch als die Lösung gegen die schädliche Wirkung für den Raucher galt, zumindest etwas. Filterzigaretten als die weniger schädliche Alternative für den sowieso Rauchenden, der nicht aufhören, aber dennoch länger leben will. Im Zeitalter der Kunststoffe besteht auch dieser Teil der Genussindustrie eben aus Kunststoff, genauer: meist aus Cellulose-Acetat https://www.tabakguru.de/blog/zigarettenfilter. Diese sind durchaus biologisch abbaubar, sogar restlos, aber brauchen dafür unter Umständen bis zu mehreren Jahren. Die „Umstände“ sind: je neuer, desto besser wurde bei der Herstellung darauf geachtet, oder auch nach alternativen Rohstoffen und Verfahren geforscht. Insofern – die Natur wird nicht für ewig den angesammelten Zigarettenstummel-Müllberg auf sich herumtragen, immerhin.

Aber da diese Filter die Funktion erfüllen soll, die schädlichen Stoffe aus der brennenden Zigarette aufzufangen, bevor sie in den Körper des Rauchers gelangen, sind diese Toxine eben auch in diesem kurzen Stummelstück geparkt. Konzentriert. Wenn sie in der freien Natur liegen, dann regnet es darauf, und, wenn es am Badesee ist, kann der auch mal bis dahin schwappen. Wasser wäscht diese Stoffe aus und sie gelangen punktuell konzentriert eben in die Umwelt.

Wenn man an unserem Badesee herumläuft wird man auch viele Wasservögel sehen, man muss regelrecht aufpassen, nicht in deren Kot zu treten. Es ist nicht so, dass Vögel diese gelb leuchtenden Stummel ständig mit dem rosafarbenen Regenwurm verwechseln, aber manchmal halt doch. So ein Stummel liegt schwer im kleinen Vogelmagen, wenn sie überhaupt noch dahin gelangen, sie können........

© Die Kolumnisten