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Eystrup: Leman-Aus ist bitter, aber unvermeidlich

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22.02.2026

Kommentar zu Schließung der Senffabrik Leman in Eystrup

Eystrup: Leman-Aus ist bitter, aber unvermeidlich

Nach 215 Jahren schließt die Senffabrik Leman in Eystrup. Das ist bitter, war aber unvermeidlich, kommentiert Holger Lachnit, der sich auch an seine Kindheit mit Leman-Senf erinnert.

Eystrup. Es ist immer bitter, wenn ein Unternehmen schließen muss. Vor allem, wenn damit das Ende einer 215-jährigen Tradition einhergeht: 1809 wurde die Senffabrik Leman in Eystrup gegründet. Nun ist für immer Schluss. Die Produktion von Senf- und Essigspezialitäten war schon lange nicht mehr wirtschaftlich. Die letzten vier verbliebenen Mitarbeiter gehen in den Ruhestand. Das Ende war unvermeidlich.

Generationen sind mit Leman-Senf aufgewachsen

Generationen von Kreis-Nienburgerinnen und Kreis-Nienburger sind mit dem Senf in den weißen Tuben mit dem markanten roten Logo aufgewachsen. Auch ich hatte seit frühester Kindheit damit zu tun: Meine Großeltern lebten in Gandesbergen. Da war es selbstverständlich, dass Leman-Senf auf den Tisch kam. Als Kind mochte ich das Produkt aus Eystruper Herstellung übrigens überhaupt nicht. Er schmeckte mir zu bitter.

Kindheitserinnerungen leben wieder auf

Erst Jahrzehnte später, im Erwachsenenalter, griff ich in einem Nienburger Supermarkt aus Nostalgie ins Regal mit dem Leman-Senf. Und siehe da: Plötzlich schmeckte mir die würzige Paste sehr gut. Bekanntlich ändert sich das Geschmacksempfinden im Laufe eines Lebens. Vielleicht waren es aber auch die Kindheitserinnerungen aus Gandesbergen, die mir den Senf versüßten. Mit dem Aus von Leman schließt sich auch ein Kapitel niedersächsischer Wirtschaftsgeschichte: Das Eystruper Unternehmen war die einzige eigenständige Senf- und Essigfabrik im Bundesland.

Ein Trost bleibt jedoch: Das Industriedenkmal Senffabrik Leman am Eystruper Alexanderweg bleibt erhalten. Auch weiterhin können das Krafthaus mit seiner imposanten Dampfmaschine und das Museum „Im 2-Takt“ mit seinen DKW-Motorrädern sind weiter geöffnet. Bereits am 13. Juli gibt es dort die nächste größere Veranstaltung: Von 10 bis 18 Uhr öffnet der Bauern- und Kunsthandwerkermarkt, ehe es ab 19 Uhr Livemusik gibt. Für das leibliche Wohl ist dann selbstverständlich gesorgt – hoffentlich auch noch mit Leman-Senf.


© Die Harke