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Deutschland braucht Olympische Spiele im eigenen Land

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22.02.2026

Kommentar zur Olympia-Bilanz: Deutschland braucht Olympische Spiele im eigenen Land

Deutschland braucht Olympische Spiele im eigenen Land

Erneut ist das deutsche Team im olympischen Medaillenspiegel um einige Plätze abgerutscht. Um den seit Jahrzehnten zu beobachtenden Absturz umzukehren, gibt es nur eine Lösung.

Die deutsche Bilanz nach 16 Tagen in Mailand und in den Dolomiten fällt nicht gut aus. Das vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gesteckte Ziel – Top drei im Medaillenspiegel – wurde nicht erreicht. Aus zwölf Goldmedaillen 2022 in Peking wurden acht 2026 in Italien. Und auch die Gesamtzahl an Edelmetall ist im Vergleich zu den vorherigen Olympischen Winterspielen erneut gesunken.

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Zumindest nicht mehr so gut wie früher – so ehrlich müssen wir sein. Denn selbst in denjenigen Sportarten, in denen deutsche Athletinnen und Athleten dominieren, ist Gold nicht mehr so selbstverständlich. Neun deutsche Goldmedaillen gewannen 2022 Bob-Besatzungen, Rodler und Skeletonis im Eiskanal. In diesem Jahr blieben noch sechs erste Plätze in Deutschlands Paradedisziplinen übrig – mit Folgen für den Medaillenspiegel, in dem Gold nun einmal alles andere schlägt.

Deutschlands führende Rolle nach insgesamt 116 olympischen Entscheidungen bei den undankbaren vierten Plätzen zeigt ein weiteres Problem: Viele Athletinnen und Athleten im schwarz-rot-goldenen Auftrag gehören zwar zur Weltspitze, wie es der Platz direkt hinter dem Treppchen im globalen Wettkampf ausdrückt. Ihr Potenzial führt aber am Ende nicht zu Edelmetall.

Woran das wirklich liegt? Auch der DOSB rätselt, warum es so oft die Deutschen sind, die den letzten Schuss nicht treffen oder im entscheidenden Durchgang Banden touchieren, an denen sie vorher elegant vorbeigesteuert sind.

Dass sich etwas ändern muss, haben das Bundesinnenministerium und der DOSB schon 2016 festgestellt. Doch zehn Jahre später verlieren sich Reformansätze wie das geplante Sportfördergesetz und die damit einhergehende Gründung einer unabhängigen Spitzensportagentur nach britischem Vorbild im Gerangel zwischen Politik und Verband.

Sportmilliarde als Symbolpolitik

Es passiert wenig bis gar nichts. Maßnahmen wie die sogenannte Sportmilliarde, mit deren Hilfe der gigantische Sanierungsstau bei der Sportinfrastruktur bis 2029 behoben werden soll, sind eher Symbolpolitik. Der DOSB beziffert den wirklichen Bedarf auf 42 Milliarden Euro.

So bleibt der Eindruck, dass Sport in der Breite und Spitze am Ende doch nicht wichtig genug ist. Auch die Behandlung der besten Athletinnen und Athleten des Landes belegt dies. Sie sollen Höchstleistungen bringen, können mitunter aber nicht einmal von ihrer Profession leben.

Immerhin ist dem Sport und der Politik das Dilemma bewusst, weswegen aktuell so viel Energie in eine eigene Olympia-Bewerbung gesteckt wird. Olympische Spiele bieten eine echte Perspektive für den Sport hierzulande. Niemand will sich schließlich mit seiner Infrastruktur und den Leistungen seiner eigenen Athletinnen und Athleten vor der ganzen Welt blamieren.

So bleibt der Eindruck, dass Sport in der Breite und Spitze am Ende doch nicht so wichtig ist.

So bleibt der Eindruck, dass Sport in der Breite und Spitze am Ende doch nicht so wichtig ist.

Briten, Franzosen und aktuell die Italiener haben es vorgemacht: Der Stellenwert des Sports und damit auch die Medaillenausbeute ist in diesen Nationen durch die Austragung Olympischer Spiele und die dafür nötigen Investitionen gewachsen. Auch die Gesellschaft profitiert davon. In Frankreich beispielsweise sind im Zuge der Paris-Spiele 2024 an Grundschulen täglich 30 Minuten Bewegungszeit eingeführt worden. In Deutschland steht maximal zweimal pro Woche Sportunterricht an, wenn er nicht mal wieder ausfällt.

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Der Gewinner des nationalen Ringens zwischen München, Hamburg, Berlin und der Rhein-Ruhr-Region darum, wer sich beim IOC bewerben darf, soll in diesem Jahr gekürt werden. Wem Erfolge im Leistungssport wichtig sind, der sollte dann ganz fest die Daumen drücken: Ohne die Perspektive Olympia im eigenen Land wird sich nichts ändern – und Deutschland im Medaillenspiegel weiter abrutschen.


© Die Harke