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Der Weltsport hat ein Politik-Problem

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13.02.2026

Olympia und die uneinigen USA: Der Sport hat ein Politik-Problem

Der Weltsport hat ein Politik-Problem

Die innenpolitischen Debatten der Vereinigten Staaten von Amerika unter Donald Trump werden aktuell auch bei den Olympischen Winterspielen ausgetragen. Der Sport steht dadurch vor einem unlösbaren Dilemma, das die nächsten Jahre überschatten wird.

Jessica Diggins ist eine große Nummer im Skilanglauf. Bei den Olympischen Winterspielen hat die 34-Jährige gleich mehrere Chancen auf Medaillen.

Gleichzeitig hat sich die Athletin zu Beginn der Spiele in Mailand und Cortina d’Ampezzo als politische Person gezeigt. „Die tiefe Angst wegen der Ereignisse in meiner Heimat hat jedem Rennen Sinn und Bedeutung verliehen“, sagte die US-Amerikanerin. „Ich habe nicht das Gefühl, nur für mich selbst hier zu sein.“

Diggins ist eine Stunde entfernt von Minneapolis aufgewachsen, wo durch das Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE zwei Menschen starben. „Ich konzentriere mich darauf, das Amerika zu repräsentieren, das respektvoll, liebevoll, hilfsbereit, offen und füreinander da ist“, sagte die 34-Jährige nun über ihre Mission in Italien.

Die Metaebene dieser Aussage: Es gibt noch ein Amerika, eines, das nicht respektvoll, hilfsbereit usw. ist, das Amerika Donald Trumps eben. Unter anderem Diggins hat den Konflikt zwischen beiden Amerikas auf die Bühne Olympia gehoben, die Uneinigkeit der Vereinigten Staaten unterstrichen.

Trump tut alles, um den Konflikt am Laufen zu halten, beispielsweise wenn er den Ski-Freestyler Hunter Hess, der sich ebenso kritisch wie Diggins zur Situation in den USA geäußert hatte, als „echten Loser“ bezeichnet.

Der Sport rückt in die zweite Reihe

Während der Eröffnungsfeier in Mailand wurde wiederum US-Vizepräsident JD Vance ausgebuht. Vance‘ Delegation – auch ein Statement – hatte als Beschützer für die Italien-Visite ausgerechnet ICE-Beamte dabei.

Verträgt der Sport so viel Politik?

Nein – und damit steht er vor einem unlösbaren Problem: Zwar sind politische Stellungnahmen im Wettkampfumfeld und auf dem Siegerpodium verboten, abseits der Wettkämpfe dürfen sich Athletinnen und Athleten frei äußern. Mit dem Ergebnis, dass die Streitereien um die US-Politik mehr Aufmerksamkeit bekommen als der in seinem Kern unpolitische sportliche Wettkampf bei diesen 25. Olympischen Winterspielen.

Beim uramerikanischen Superbowl in San Francisco ist das Phänomen noch einmal eindrucksvoll hervorgetreten: Angesichts der Diskussionen um die Halbzeitshow und den Künstler Bad Bunny rückte das Sportliche in den Hintergrund.

Was für ein Dilemma für den Sport! Anders als bei den Winterspielen vor vier Jahren in Peking oder bei der Fußball-WM 2022 in Katar ist nicht das Ausrichterland Ziel politischer Diskussionen. Dieses Mal wird die Innenpolitik des mächtigsten Staates der Welt, der aufgrund seines ersten Platzes im ewigen olympischen Medaillenspiegel auch die größte Sportnation der Welt ist, auf der Weltsportbühne ausgetragen – und niemand kann etwas dagegen tun.

Die Perspektiven in dieser Angelegenheit weisen zudem über die Abschlussfeier dieser Winterspiele hinaus. Im Sommer sind die USA als Co-Gastgeber der Fußball-WM neben Mexiko und Kanada gefordert. 2028 gastieren die besten Athletinnen und Athleten der Welt bei den Olympischen Sommerspielen in Los Angeles. Man muss sich also nicht nur vor Trump-Spielen fürchten, sondern auch vor dem Protest dagegen.

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Mehr noch: Der Weltsport kann langfristig durch die Probleme der USA zu Schaden kommen. Es gibt schließlich kein Rezept gegen seine Anfälligkeit, ihn als politische Bühne zu missbrauchen, ohne seine Protagonisten durch Redeverbote als politische Personen zu entmündigen.

So bleibt nur der pragmatische Appell an ebenjene Protagonistinnen und Protagonisten, im Sinne der einigenden Wirkung des Sports stillzuhalten, sich selbst ein Redeverbot aufzuerlegen. Eine zufriedenstellende Perspektive ist auch das nicht.


© Die Harke