Nach der Wahl in Israel: Benjamin Netanjahus Erbe sitzt tief, egal wer die Macht bekommt
Selten hatte eine Parlamentswahl so viel Bedeutung für die Israelis wie diese. Als eine große Chance auf politische Veränderung wurde sie betrachtet. Entsprechend war die Wahlbeteiligung mit beinahe 78 Prozent so hoch wie seit 1999 nicht mehr.
Für viele ging es am Dienstag dabei vor allem um eines: die Ablösung von Benjamin Netanjahu. Doch so einfach wird das nicht. Dem jüdischen Staat stehen langwierige politische Verhandlungen bevor.
Mindestens 61 Sitze benötigt eine Regierungskoalition in der nächsten Knesset. Und wer auch immer regieren will, braucht die arabischen Parteien. Für diese war die Wahl ein überwältigender Erfolg. Den Prognosen zufolge könnten sie um die 17 Sitze im nächsten Parlament bekommen – so viele wie noch nie.
Tilman Schröter ist Redakteur im Ressort Internationale Politik. Er glaubt, dass es auf israelischer wie auf palästinensischer Seite Anführer braucht, die bereit sind, einen neuen Friedensprozess anzustoßen.
Wer am Ende eine Koalition zustande bringen kann, muss offenbleiben. Benjamin Netanjahus Likud-Partei aber wurde stärkste Kraft. Er überholte mit seiner Liste am Mittwoch den „zionistischen Block“ seines Widersachers Gadi Eisenkot. Seine Mehrheit konnte er nicht verteidigen, Koalitionsoptionen sind für ihn auf den ersten Blick rar.
Doch man muss sagen: Dass Netanjahu diese verlor, aber vorerst mit seiner Liste trotzdem die meisten Sitze holte, überrascht. Die Unzufriedenheit mit dem Premier war groß, seit er Ende 2022 wieder ins Amt kam. Seine umstrittene Justizreform........
