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Wenn Social Media und Stammtisch Politik bestimmen: Es darf ja jeder mitreden, aber nicht auf alle muss man hören!

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21.05.2026

Die Aufgabe aus dem Studium war: „Suche das Fremde in der eigenen Kultur“. Also gingen wir in die 24/7-Eckkneipe, aus der zu jeder Tages- und Nachtzeit die Abgefüllten torkelten.

Wir erwarteten nichts, aber schon nach dem ersten Bier wurden wir Zeugen einer lautstarken Auseinandersetzung über irgendein politisches Thema. Leidenschaftlich dozierten die Streitenden ihre nicht immer ausgereiften Argumente, bis, rechtzeitig vor der Beweisführung mittels einschlägiger Körperextremitäten, der erfahrene Wirt einen der Bundeskanzler in spe rausschmiss.

Wann immer heute, gut dreißig Jahre später, auf Social Media „diskutiert“ wird, ob nun über gestrandete Wale, die Coronapolitik oder den Klimawandel, kramt mein Gedächtnis diese Szene aus der prä-„X“-Ära hervor. Und es stellt sich die Frage: Hätte irgendein Politiker damals ernsthaft erwogen, die in der Kneipe gebrüllten Argumente zu berücksichtigen? Wäre schon Timmys Opa entgegen dem Rat von Experten vor die dänische Küste geschleppt worden?

Wohl nicht. Vermutlich hätten nicht mal die Ausgenüchterten selbst das erwartet.

Sascha Karberg leitet das Ressort Wissenschaft. Er wünscht sich mehr Realitätsbewusstsein in der Politik.

Das hat sich gewaltig geändert. Längst........

© Der Tagesspiegel