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FOMO statt Strategie: Der Bundespräsident empfängt Pakistans Präsidenten Zardari – und das ist ein Fehler

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23.10.2026

Pakistan hatte ein bemerkenswertes Jahr. Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan war das Land international lange abgemeldet. Nun reüssierte es zeitweise als Vermittler zwischen Iran und den USA. Einer Befragung von 151 internationalen Außenpolitik-Experten durch den indonesischen Thinktank IIFA zufolge bewerteten 68,3 Prozent Pakistans Rolle im Iran-Krieg positiv – mehr als bei jedem anderen Land.

Islamabad hat zudem die Logik der Trump-Regierung schneller verstanden als andere: Mit Angeboten bei kritischen Rohstoffen, Kryptodeals und Nominierungen für den Friedensnobelpreis sicherte es sich kurzzeitig das Wohlwollen des US-Präsidenten.

Das genügte, um die Beziehungen zu Washington nach dem Afghanistan-Fiasko wieder aufzuwerten und gleichzeitig die indisch-amerikanischen Beziehungen in eine tiefe Krise zu stürzen. Mit dem Mekka-Pakt, dem Verteidigungsabkommen mit Saudi-Arabien und seit neuestem der Türkei, präsentiert sich Pakistan obendrein als Schutzmacht am Golf.

Leo Wigger ist Südasienexperte und leitet seit August 2026 den Aufbau des Indien-Zentrums der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik.

Pakistans Rolle ist brüchiger als angenommen

Gründe genug für einen Empfang in Berlin, den ersten seit Jahren? Nur, wenn man schlappatmend und schlagzeilengetrieben der Prämisse folgt, man dürfe bloß keinen Trend verpassen. Nüchtern betrachtet fehlt schlichtweg die Grundlage für eine vertiefte Partnerschaft und damit eine Aufwertung durch den Empfang des Bundespräsidenten.

Außenpolitisch ist Pakistans neue Bedeutung brüchiger, als sie scheint. Der Hype um die Vermittlerrolle im Iran-Krieg ist längst verflogen, handfeste Ergebnisse hat sie nicht gebracht. Die Gesprächskanäle dominieren in den diplomatischen Maschinenräumen längst wieder die Verhandlungsprofis aus den Golfstaaten.

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© Der Tagesspiegel