Zum Abschied von Nationalspielerin Sara Däbritz: Die letzte deutsche Fußball-Europameisterin tritt ab
Sara Däbritz betrat gewohnt entspannt den Rasen und nahm lächelnd ihre Abschiedsgeschenke entgegen. An diesem Dienstagabend in Nürnberg wurde es ganz offiziell: Es gibt keine Europameisterin mehr im aktuellen Aufgebot der DFB-Frauen. 111 Spiele bestritt Däbritz für die deutsche Elf, das letzte war das verlorene EM-Halbfinale in der Schweiz im vergangenen Juli.
Ihren allerersten Einsatz im Dress des Nationalteams hatte Däbritz im Alter von 18 Jahren im Juni 2013. Nur 18 Tage später debütierte sie unter Bundestrainerin Silvia Neid schon bei ihrem ersten großen Turnier, der EM in Schweden, und holte prompt den Titel. An der Seite von Lina Magull, Felicitas Rauch, Rebecca Knaak, Linda Dallmann und Merle Frohms gewann sie ein Jahr später noch den Titel bei der U20-WM und war fortan nicht mehr aus dem A-Team wegzudenken. 2016 folgte ihr dritter großer Triumph: der Gewinn der Goldmedaille bei den Olympischen Sommerspielen 2016 in Brasilien.
Charlotte Bruch wird die Ruhe und technische Finesse von Sara Däbritz im DFB-Team vermissen.
Sara Däbritz war eine Nationalspielerin, die kaum etwas Unüberlegtes tat und viele Jahre als unumstritten im defensiven Mittelfeld galt. Sie hatte eine Ruhe und Übersicht am Ball wie kaum eine andere. Hinzu kamen ihre herausragenden technischen Fähigkeiten. Ihre Fähigkeiten mit dem linkem Fuß wurden von Gegnerinnen gefürchtet und von Mitspielerinnen geschätzt. So erzielte sie einige ihrer 18 Länderspieltore aus der Distanz.
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Die mittlerweile 31-Jährige wurde auch neben dem Platz von ihren Teamkolleginnen respektiert und häufig um Rat gefragt, das betonten insbesondere junge Spielerinnen immer wieder. Sie verkörperte über Jahre eine leise Form von Führungsstärke, die im modernen Fußball selten geworden ist. Als sie weniger Einsatzzeit erhielt, wie etwa bei der EM in der Schweiz im vergangenen Jahr, war sie trotzdem da, wenn sie gebraucht wurde.
Stets stellte sie sich in den Dienst des Teams und wäre nie auf die Idee gekommen, möglichen Unmut über einen Platz auf der Bank kundzutun. Und das, obwohl sie als gestandene Spielerin beim französischen Spitzenklub Olympique Lyon jedes Recht dazu gehabt hätte. Ein solches Verhalten hätte allerdings nicht zu Däbritz gepasst, zu wichtig war ihr der Erfolg des gesamten Teams.
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Heute steht Däbritz bei Real Madrid unter Vertrag und blickt voller Dankbarkeit auf die vergangenen zwölf Jahre beim Nationalteam zurück. Von ihren Anfängen vor 2000 Zuschauenden bis hin zu ausverkauften Stadien bei der Rekord-EM in der Schweiz. Ohne sie wird der deutschen Elf eine absolute Konstante auf und neben dem Platz fehlen – und eine Spielerin, die sich nie zu wichtig genommen hat, nie Schlagzeilen suchte, aber dafür umso mehr Spuren hinterlassen hat.
