Diplomatie | Trump unberechenbar, NATO geschwächt: Findet Friedich Merz endlich Antworten darauf?
Ist die Grönland-Krise vorbei? Wir wissen es nicht. Bekannt ist, dass Donald Trump wochenlang öffentlich verlautbarte, Grönland müsse aus Gründen der nationalen Sicherheit rasch der 51. Bundesstaat der USA werden. Als er dies als geradezu kompromisslose Forderung erhob, nahmen das viele Europäer als Weckruf und womöglich als den berühmten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.
Einem Partner USA, dem das Völkerrecht egal ist und der selbst die territoriale Integrität eines Bündnispartners offen infrage stellt, könne man nicht länger seine Sicherheit anvertrauen. Die Europäer, heißt es in einer Studie der regierungsnahen Stiftung Wissenschaft und Politik, könnten sich nicht mehr auf die Allianz mit den USA verlassen. Die hätten sich vom wohlwollenden Hegemon zum unberechenbaren Alliierten und sogar zum Gegenspieler bei der Wahrung demokratischer Werte entwickelt.
Das hat weit über Grönland hinaus Konsequenzen: Transatlantische Glaubenssätze könnten sich in Luft auflösen, europäische Sicherheit müsste nicht nur ohne die USA organisiert werden, sondern womöglich gegen sie. Die Amerikaner könnten kaum noch Partner in politischen und ökonomischen Fragen sein – eine tatsächliche europäische Souveränität wäre stattdessen das Gebot der Stunde.
Angesichts des deutlichen Widerstands wichtiger europäischer Staaten wie auch des aufziehenden Unmuts im US-Kongress sagte Trump beim Weltwirtschaftsforum in Davos, er wolle sofortige Verhandlungen, um den Erwerb Grönlands durch die USA zu erreichen. Dabei werde er zwar – anders als zuvor angedeutet – keine Gewalt anwenden. Aber um Grönland mitsamt seinem immensen Wert für die Sicherheit einer US-geführten westlichen Hemisphäre zu schützen, müsse es eben US-Eigentum sein. Ein Mietvertrag reiche dafür nicht.
Der Kontext der Davos-Rede war unmissverständlich: Die USA garantierten als NATO-Führungsmacht die Sicherheit aller, aber sie hätten dafür jahrzehntelang zu wenig zurückbekommen und seien von den Europäern notorisch ausgenutzt worden. Verlassen könne man sich auf die NATO mithin nicht mehr. Mit dem Besitz Grönlands lasse sich das unter Umständen ändern. Dänemark könne dazu Ja sagen, und die USA würden „sehr dankbar sein“, oder Dänemark könne Nein sagen, und „wir werden uns erinnern“.
Inzwischen steht dank einer hektischen Krisendiplomatie, an der besonders NATO-Generalsekretär Mark Rutte beteiligt war, in Aussicht, dass der bilaterale........
