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Beschlagnahmter Laptop bei Tesla: Ermittler finden keine heimlichen Aufnahmen

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27.03.2026

Nach den schweren Vorwürfen gegen einen Vertreter der IG Metall im Tesla-Werk in Grünheide gibt es eine neue Wendung. Im Februar war es im Anschluss an eine Betriebsratssitzung zu einem Polizeieinsatz gekommen, da Vertreter des Unternehmens und einer managementnahen Liste dem Gewerkschafter vorgeworfen hatten, die Zusammenkunft heimlich mit seinem Laptop aufgezeichnet zu haben.

Daraufhin wurde der Mann durch Sicherheitskräfte vom Werksgelände verwiesen und sein Computer beschlagnahmt. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt (Oder) nahm nach einer Anzeige des US-Autobauers Ermittlungen wegen der möglichen Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes sowie eines potenziellen Verstoßes gegen das Betriebsverfassungsgesetz auf. Wie die IG Metall nun gegenüber dem Spiegel mitteilte, haben die Ermittlungsbehörden das Gerät umfassend geprüft und dabei keinerlei Audiodateien oder sonstige Aufzeichnungen der besagten Sitzung finden können.

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Schlammschlacht vor der Betriebratswahl

Der Vorfall ereignete sich in einer ohnehin stark aufgeheizten Phase vor den Betriebsratswahlen bei Tesla. Der Werksleiter André Thierig hatte damals wenige Stunden nach dem Vorfall in einer Rundmail an die Belegschaft die Vorwürfe publik gemacht. Darin hieß es, der Gewerkschafter sei von einem aufmerksamen Betriebsratsmitglied ertappt worden. Thierig warf der Gewerkschaft im Zuge dessen unfaires Verhalten vor.

Jan Otto, der Bezirksleiter der IG Metall, wies das Vorgehen scharf zurück. Er warf der Werkleitung vor, mit falschen Behauptungen in die Betriebsratswahl eingegriffen und durch dreiste Anschuldigungen eine Schmutzkampagne losgetreten zu haben. Eine Stellungnahme der Staatsanwaltschaft sowie von Tesla zu den fehlenden Aufnahmen auf dem Laptop steht derzeit noch aus.

Juristisches Nachspiel der Betriebsratswahl

Die richtungsweisende Wahl Anfang März endete für die IG Metall mit einem Dämpfer. Die Gewerkschaft verlor Stimmanteile und landete auf dem zweiten Platz hinter der Liste Giga United um die amtierende Betriebsratsvorsitzende, der eine Nähe zum Management nachgesagt wird.

Insgesamt gingen 24 der 37 Sitze an Listen ohne gewerkschaftliche Bindung. Inzwischen geht die IG Metall juristisch gegen das Wahlergebnis im größten ostdeutschen Autowerk vor und hat beim Arbeitsgericht Frankfurt (Oder) einen Beschlussantrag zur Feststellung der Unwirksamkeit eingebracht. Begründet wird dieser Schritt mit zahlreichen Einschüchterungsversuchen, Drohungen und einer ungleichen Behandlung der Kandidaten seitens der Tesla-Werkleitung während des Wahlkampfes.


© Berliner Zeitung