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TurkStream: Russland setzt trotz EU-Ausstiegs stärker auf die Türkei

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25.02.2026

Die EU will sich vollständig vom russischen Gas lösen. Spätestens Ende 2027 soll es laut dem neuesten Beschluss endgültig Schluss sein: mit Pipeline-Lieferungen von Gazprom, mit LNG von Novatek sowie mit der Vorkriegs-Energiearchitektur in Europa. Doch während Europa aussteigt, versucht Russland, seine Energieachse über die Türkei zu stabilisieren.

Bei einem Treffen in Istanbul mit seinem Amtskollegen Alparslan Bayraktar machte Russlands Vizepremier Alexander Nowak Ende letzter Woche klar: Russland bleibe der „größte Lieferant von Erdgas, Öl und Erdölprodukten“ für die Türkei. Die Pipelines TurkStream und BlueStream funktionierten „stabil“, zitiert die private russische Nachrichtenagentur Interfax. Zudem verwies Nowak auf das im Bau befindliche Atomkraftwerk Akkuyu: ein strategisches Großprojekt russischer Nukleartechnologie auf türkischem Boden.

İstanbul’da Rusya Başbakan Yardımcısı Sayın Aleksandr Novak ile bir araya gelerek Türkiye-Rusya enerji gündemini değerlendirdik.Görüşmemizde doğal gaz ve nükleer enerji başta olmak üzere devam eden iş birliklerimizin seyrini, yeni iş birliği fırsatlarını ele aldık.Enerji… pic.twitter.com/OQeew8donh— Alparslan Bayraktar (@aBayraktar1) February 20, 2026

İstanbul’da Rusya Başbakan Yardımcısı Sayın Aleksandr Novak ile bir araya gelerek Türkiye-Rusya enerji gündemini değerlendirdik.Görüşmemizde doğal gaz ve nükleer enerji başta olmak üzere devam eden iş birliklerimizin seyrini, yeni iş birliği fırsatlarını ele aldık.Enerji… pic.twitter.com/OQeew8donh

Russisches Gas laut Handelsminister „lebenswichtig“ für die Türkei

Bayraktar schrieb seinerseits in den sozialen Medien, man habe neben der bestehenden Zusammenarbeit, insbesondere im Bereich Erdgas und Kernenergie, auch „neue Möglichkeiten der Interaktion erkundet“. Während Brüssel russische Energie verdrängt, hält Ankara also die Tür für neue Deals offen.

Laut einem aktuellen Länderbericht der Konrad-Adenauer-Stiftung bezeichnete der türkische Handelsminister Ömer Bolat russisches Gas zuletzt als „lebenswichtig“ für die Versorgung des Landes. Der Bericht betont zugleich, dass Ankara sich nicht automatisch an neue EU-Energievorgaben binden wolle, etwa an erweiterte Herkunftszertifizierungen für Energieimporte. Damit wird deutlich: Für Ankara ist Energie vor allem eine Frage nationaler Versorgung, nicht europäischer Vorgaben.

Mehr Importe nach Ungarn und Co.: TurkStream springt bei Winterkälte ein

Mit einem geschätzten Anteil am türkischen Gasverbrauch von rund 40 bis 45 Prozent bleibt Moskau tatsächlich der wichtigste einzelne Anbieter. Gleichzeitig diversifiziert Ankara: Gas kommt auch über die Transanatolische Pipeline (TANAP) aus Aserbaidschan, aus dem Iran sowie über LNG-Terminals am Mittelmeer und am Marmarameer. Genau dieses Portfolio macht die Türkei zu einem Sonderfall: Sie ist nicht nur Abnehmer, sondern Drehscheibe.

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Die Schwarzmeerpipeline TurkStream spielt dabei im Transit eine zentrale Rolle für Russland. Seit dem Ende des Ukraine-Transits Ende 2024 ist die Pipeline die letzte direkte Route für russisches Pipeline-Gas in die EU. Nach Daten des europäischen Netzbetreiberverbands ENTSOG legten die Gasflüsse über TurkStream im Januar im Jahresvergleich um rund sieben Prozent zu. Rund 19 Terawattstunden (TWh) flossen Richtung Südosteuropa, mehr als im Vorjahresmonat.

Das ersetzt Nord Stream nicht – dafür reichen weder die Kapazität noch der Markt. Solange TurkStream läuft, bleibt jedoch russisches Pipeline-Gas physisch im europäischen Gasnetz präsent, wenn auch nur in Bulgarien, Serbien, der Slowakei oder Ungarn.

Russisch-türkischer Gas-Hub auf Eis: Was Moskau noch bleibt

Mehr als diese Route hat Moskau derzeit nicht. Eine deutliche Ausweitung Richtung EU ist politisch blockiert. Der frühere Plan eines russisch-türkischen „Gas-Hubs“, über den russisches Gas neu etikettiert nach Europa verkauft werden sollte, liegt wegen der ungeklärten Fragen nach Kontrolle und Märkten faktisch auf Eis. Realistisch bleibt für Russland daher vor allem der türkische Binnenmarkt. Ähnlich wie bei den Lieferungen nach China kämen hier höhere Direktlieferungen, langfristige Preisnachlässe oder neue Vertragsbindungen ins Gespräch.

Akkuyu, das von Rosatom gebaute Kernkraftwerk, bindet die Türkei sowieso schon langfristig. Russland errichtet, betreibt und finanziert die Anlage – und sichert sich damit über Jahrzehnte Einfluss auf die türkische Stromversorgung.

Doch Ankara setzt nicht einseitig auf Moskau. Bereits im Herbst unterzeichnete die Türkei einen 20-jährigen Liefervertrag mit dem Rohstoffhändler Mercuria über den Bezug von US-Flüssiggas. Energieminister Bayraktar sprach zudem im Dezember des letzten Jahres offen darüber, sich auch finanziell an Gasprojekten in den USA beteiligen zu wollen, um die eigene LNG-Versorgung langfristig abzusichern. Die Türkei versucht damit, sich nicht zwischen Energieblöcken zu entscheiden, sondern von beiden Seiten zu profitieren.Haben Sie Feedback? Schreiben Sie uns gern! briefe@berliner-zeitung.de


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