Eine Menschenrechtsanwältin verschwindet: Der Preis des Widerstands in Uganda
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„Mama Lina“ tanzt auf dem Dach des Berliner Verlagshauses, dem Himmel über Berlin ganz nah. Aus einem Smartphone tönt Bobi Wines Song „Freedom“. In diesem Moment, irgendwann im September, ist Freiheit kein Versprechen, sondern Gegenwart. Berlin erlaubt sie. Die Fahne, die „Mama Lina“ mitgebracht hat, flattert in der Berliner Luft: Schwarz, Gelb, Rot. Schwarz für die Menschen, Gelb für die Sonne, Rot für die Verbundenheit. Ein weißer Kreis mit dem Grauhals-Kronenkranich, dem Nationalsymbol Ugandas.
Vier Monate später endet die Freiheit für „Mama Lina“ am Abend des 15. Januar 2026 erschreckend abrupt, als eine Horde Vermummter und bewaffneter Sicherheitskräfte völlig unvermittelt ihr Haus in Gayaza stürmt und sie verschleppt. Augenzeugen berichten von Fahrzeugen ohne Kennzeichen. Danach gibt es wochenlang kein Lebenszeichen.
Polizei und Militär äußern sich weder zur Verschleppung noch zu dem Ort, an dem Lina Zedriga festgehalten wird. Ob sie Zugang zu einem Anwalt hat. Ob sie medizinisch versorgt wird. Ob sie noch lebt. Die Behörden schweigen. Ihre Freiheit endet an jenem Tag, an dem Uganda seinen Präsidenten und sein Parlament wählt – freie und faire Wahlen, eine der Forderungen, für die sich Lina Zedriga leidenschaftlich eingesetzt hat.
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21.11.2025
Der Fall folgt einem Muster staatlicher Gewalt, das Uganda seit Jahren prägt und sich nach dieser Wahl weiter verfestigt hat. Die Entführung ist ein gravierender Rechtsbruch und eine offene Entgleisung staatlicher Macht.
„Mama Lina“ – offiziell Dr. Lina Zedriga Waru Abuku – ist Juristin, Menschenrechtsanwältin und Vizepräsidentin der größten ugandischen Oppositionspartei National Unity Platform (NUP). Ausgebildet in Recht sowie Friedens- und Konfliktforschung, tätig als Richterin, Akademikerin und Mediatorin, spricht sie von Rechtsstaatlichkeit, von Würde und von einem Uganda jenseits von Korruption und Angst. Politik als Dienst an der Gesellschaft. Ihr Engagement ist getragen von Verantwortung, nicht von Machtwillen. Einen Menschen wie sie zu verschleppen heißt, vorzugeben, den Staat zu verteidigen – und öffentlich zu zeigen, dass man dem eigenen Staat nicht mehr traut.
Als wir im September im Konferenzraum der Berliner Zeitung ein Videostatement aufzeichnen, schwingt sich Lina Zedriga mit cooler Eleganz auf den Beratungstisch der Redaktion. Die Füße baumeln frei, der Blick ruhig in die Kamera gerichtet. Sie spricht über die anstehenden Wahlen. Über Einschüchterung, Manipulation. Über die Möglichkeit, dass diese Wahl........
