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Zweierlei Maß: Wie deutsche Medien den US-Angriff auf Venezuela verharmlosen

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05.01.2026

Eine absolut widerrechtliche Bombardierung eines Staates und die Entführung seines Staatsoberhauptes als medial berauschender Thriller: Wer eine solche Darlegung der jüngsten Geschehnisse rund um Venezuela suchte, der fand im deutschen Spiegel die passende Geschichte. „Der Coup von Caracas“ titelten die Kollegen am Samstag in ihrer Online-Ausgabe. Ein fast schon literarischer Titel, sprachlich durch eine Alliteration aufgeputscht. Von einer Verdammung des Vorgehens der Amerikaner keine Spur, auch wenn „Donald Trump den US-Imperialismus mit Wucht nach Lateinamerika zurückgebracht“ habe, wie Autor Jens Glüsing schreibt.

In dem ersten Absatz schreibt er stattdessen eine Art Rechtfertigung dieses „großen militärischen und politischen Sieges“, für den Trump sich feiern lassen könne. Immerhin habe er „einen unbeliebten und brutalen Diktator gestürzt. Maduro hatte seine Niederlage bei den Wahlen im vergangenen Jahr nicht anerkannt und sich mithilfe des Militärs an der Macht gehalten. Führt sein Sturz nun dazu, dass sich das Land politisch und wirtschaftlich stabilisiert und zur Demokratie zurückkehrt?“

Diese mediale Darstellung ist ein hervorragendes, oder vielmehr: bestürzendes Beispiel dafür, mit welchen doppelten Standards völkerrechtswidriges Vorgehen im eigenen westlichen Lager gegenüber etwa dem russischen Angriff auf die Ukraine bewertet wird. Denn bereits die kurzen oben zitierten Passagen sind voller Lügen, Halbwahrheiten und Ausblendungen. Denn sicher ist Maduro „unbeliebt“ – aber bei wie vielen Venezolanern ist er das nicht? Und warum ist das Land politisch und wirtschaftlich instabil – nur wegen seines autoritären Sozialismus-Modells, oder womöglich auch oder gar vor allem wegen massiver, seit 2005 immer wieder verschärfter US-Sanktionen, und seit 2017 auch durch die EU verhängter restriktiver Maßnahmen? Vor allem aber ist bei dem Bericht in dem unscheinbaren Satz, Maduro habe seine Wahlniederlage nicht anerkannt, ein unterschwelliger Hinweis an die unbedarften Leser verbaut, dass dies als Rechtfertigung für einen gewaltsamen Angriff eines dritten Staates dienen könne. Kein Hinweis darauf, dass die UN-Charta bei ihrem Verbot eines Angriffs auf einen anderen Staat oder eines Putsches von außen keinerlei Unterschied macht zwischen demokratisch legitimierten Regierungen und solchen, die es nach........

© Berliner Zeitung