Das Teenager-Killer-Duo: Die Ermordung des Justizrats Levy durch zwei 16-jährige Berliner
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Man mag sich das Szenario gar nicht vorstellen. Eines Morgens wacht man auf und zwei Jugendliche stehen am Bett – mit Messern in der Hand. Es ist ein fleischgewordener Albtraum, der dem Ehepaar Levy am 18. Oktober 1896 in der Mohrenstraße 53 widerfuhr – in unmittelbarer Nähe der Friedrichstraße, wo das Leben Tag und Nacht pulsierte. Heute deutet nichts mehr darauf hin, dass in dieser Straße, die mit Wirkung vom 18. Juli 2025 in Anton-Wilhelm-Amo-Straße umbenannt wurde, einmal ein prominenter Jurist in seiner Wohnung sterben musste. Die grausame Tat, die damals die ganze Stadt aufwühlte, ist längst vergessen, auch wenn die Traueranzeige etwas anderes versprach, weil es darin hieß, dass Meyer Levy „in den Annalen der deutschen Advocatur eine dauernde Stätte gesichert“ sei. Was war damals passiert? Und wer waren die Mörder von Meyer Levy?
Bruno Werner, die treibende Kraft des mörderischen Duos, ist – laut Presse – „ein unscheinbares, schwächliches Bürschchen“. Er hat ein paar Monate als Schreiber bei Levy gearbeitet, bis man ihn wegen Diebstahls entließ. Sein Komplize ist der kränkliche Willi Große. Beide kennen die Räumlichkeiten in der Mohrenstraße 53 und wissen daher nur zu genau, dass sie sich lediglich durch das Flurfenster auf die Galerie hinaufhangeln müssen, um dann durch das Speisezimmer in das Schlafzimmer einzudringen. Ausprobiert hat Werner das schon mehrmals. Bis zu jenem Morgen haben die beiden „nur“ den ein oder anderen Diebstahl bei ihren vorherigen Arbeitgebern begangen, gemordet haben sie noch nicht. Meyer Levy ist sehr wohlhabend – unter anderem gehört ihm das Haus, in dem er selbst wohnt und in dem er sich auch mit seinem Schwiegersohn ein Büro teilt, während seine drei Söhne die zweite Etage bewohnen.
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Werners und Großes Plan ist, das Bargeld zu rauben, das Levy in einem Tresor aufbewahrt. Werner soll zuvor den Justizrat töten und Grosse dessen Frau, so der nüchtern formulierte Plan. Es ist eine diabolische Arbeitsteilung, doch zwingend notwendig ist der Tresorschlüssel, und den – so weiß Werner auch – bewahrt Levy in seiner Hosentasche auf. Während die Bewohner des Hauses noch friedlich schlafen, setzen die beiden Jünglinge ihren Plan in........
