Dass die Jugend leiser geworden ist, ist ein Warnsignal
So einsam wie keine andere Generation sei die Generation Z – also junge Menschen, die zwischen 1995 und 2009 geboren wurden. Sozial ausgelaugt, ängstlich, verunsichert – und politisch so gespalten wie nie zuvor. Zu diesen Ergebnissen kommt die jüngst erschienene Jugendtrendstudie 2026, für die das Institut für Generationenforschung und der Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Universität Augsburg gut 1800 Menschen bis 29 Jahre befragt haben. Demnach fühlten sich junge Menschen isoliert und überfordert zugleich, kompensierten ihre Sorgen mit passivem Social-Media-Konsum und häuslichen Hobbys. Erschöpfte Jugendliche also, die sich zurückziehen und nach Ruhe sehnen. Resignation statt Rebellion? Das ist ein Hilfeschrei, aber ein leiser.
Während der Corona-Pandemie haben Jugendliche Solidarität gezeigt
„Die Jugend“ ist seit Jahrzehnten ein beliebter Untersuchungsgegenstand wissenschaftlicher Arbeiten. Durch Jugendstudien versuchen Forscherinnen und Forscher für Nicht-mehr-so-Jugendliche greifbar zu machen, was junge Menschen umtreibt. Wie sie sich fühlen, wie sie ihre Zeit verbringen – ja, wie sie denn „ticken“, die Jungen. Die Ergebnisse dieser Studien lösen manchmal Sorge in der Bevölkerung aus, werden zunehmend einfach hingenommen und haben selten politisches Handeln zur Folge. Das bekommen junge Menschen mit, denn sie sind eben kein abstraktes Forschungsobjekt. Sie sind eine Gruppe von Menschen, die trotz ihrer wenigen Lebensjahre schon einiges erlebt hat – und allmählich nicht mehr kann.
Als Lebensabschnitt betrachtet, gilt die Jugend als Phase des Erwachsenwerdens und der Neugierde. Diese Phase vollumfänglich auszuleben, blieb jungen Menschen während der Corona-Pandemie verwehrt. Man bat sie, solidarisch zu sein, Rücksicht zu nehmen auf ihre älteren Mitmenschen. Und sie taten es, zwei Jahre lang. Als sie schließlich doch noch laut und rebellisch wurden, freitags für den Klimaprotest auf die Straße gingen und sich letztlich auf ihr festklebten, um für ihre Zukunft einzustehen, begegnete man ihnen mit Härte.
Von der Rente bis zum Wehrdienst: Junge Menschen sorgen sich um ihre Zukunft
Um die Klimabewegung ist es still geworden, denn junge Menschen haben gelernt, dass ihre Sorgen keine Priorität haben – angesichts der immer neuen Krisen und Kriege haben sie dafür sogar Verständnis. Ihre Zukunftsängste sind aber geblieben. Junge Menschen steigen heute mit dem Wissen ins Berufsleben ein, dass sie im Alter nicht von ihrer Rente werden leben können. Gleichzeitig sind sie schon jetzt besonders häufig von Armut bedroht, denn fast ein Viertel der 18- bis 24-Jährigen lebt unterhalb der Armutsgrenze. Junge Menschen fragen sich, ob es ihren Job in ein paar Jahren noch geben wird, wann ihre Miete endlich aufhört zu steigen, ob sie doch noch zum Wehrdienst verpflichtet werden und ob sie in diese Welt noch Kinder setzen wollen.
Wenn sie der Alltag in die Knie zwängt, was bleibt ihnen anderes übrig, als sich in eine digitale Parallelwelt zu flüchten? Dort finden sie Halt, werden abgelenkt und aufgemuntert von Algorithmen, die ihre Vorlieben vermutlich besser kennen als sie selbst. Und bekommen scheinbar einfache Lösungen für Probleme angeboten, um die sich sonst niemand zu kümmern scheint. Von populistischen Parteien und Randgruppen des politischen Spektrums, die sich geschickt anstellen – und dann irgendwann keine Randgruppen mehr sind.
Wer die Jugend nicht an Extremparteien verlieren will, muss sich um sie kümmern und ihr Stabilität bieten. Denn diese ist – in einer Zeit, in der es an allen Ecken und Enden zu wackeln scheint – die vielleicht wichtigste Ressource, die eine Demokratie anbieten kann.
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