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So reagieren Schüler auf Noten

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21.02.2026

So reagieren Schüler auf Noten

In der Theorie sind Noten nüchterne Zahlen. In der Praxis jedoch lösen sie Emotionen aus, die von Tränen über Triumph bis zu demonstrativer Gelassenheit reichen.

«Das gibt Ärger zu Hause»: Wenn die Note nicht stimmt, fliessen manchmal auch Tränen.

Der Weinende: Daniel, 3,2. Bereits beim Festlegen der Note kommt die Lehrperson ins Grübeln. Lässt sich nicht irgendwo ein Zusatzpunkt finden? Oder soll man den Notenmassstab anpassen? Denn Eines ist klar: Es werden wieder Tränen fliessen. Als es dann so weit ist, sitzt Daniel versteinert da. Die Augen röten sich, danach kullern die ersten Tränen über die Wangen. Die Lehrperson leidet mit. Gleichzeitig – man kann es drehen und wenden, wie man will – ist man die Ursache für die Verzweiflung. Man sucht das Gespräch: relativiert die Note, rückt die anderen (genügenden) Leistungen in den Vordergrund. Alles prallt an ihm ab. Das Einzige was hilft, ist Zeit – und die Hoffnung, dass er irgendwann lernt, mit seiner Enttäuschung umzugehen.

Die stille Geniesserin: Sie nimmt die Prüfung lautlos entgegen, wirft einen kurzen Blick drauf. Man glaubt ein kurzes Gefühl der Genugtuung auf ihrem Gesicht zu erkennen, dann legt sie die Prüfung kommentarlos ins Mäppchen. Ein Publikum für ihre 6 braucht sie nicht. Irgendwie angenehm bescheiden. Andererseits: Wie muss sich ihr Pultnachbar fühlen, der bei einer 4,8 in grossen Jubel ausbricht?

Der Angeber: Er schaut zuerst in die Runde, dann auf das Blatt. Kurz darauf verkündet er die Note lautstark. «Eine 5,8 – und das ohne Lernen!», posaunt er ins Klassenzimmer. Beredtes Schweigen herrscht hingegen, wenn der Test nach hinten losging. Diskret versenkt er die Prüfung im Ordner, als ob sie nie existiert hätte.

Die Schwarzmalerin: Ganz egal, wie gut sie abgeschnitten hat, sie erwartet immer das Schlimmste. «Bitte drehen sie die Prüfung um, damit ich die Noten nicht sehen kann», bittet sie die Lehrperson. Oft kann sie dann doch nicht widerstehen, sich die Noten anzuschauen. Und – oh Wunder – stets ist sie besser als erwartet.

Der Showman: Egal ob 3,5 oder 5,5 – dieser Schüler macht aus jeder Note ein Ereignis. Er jubelt, schimpft, vergleicht, kommentiert. Jede Rückgabe wird zum Bühnenstück. «Was?! Nur eine 4?!» oder «Yes, genügend!» – stets laut, stets ungefiltert. Die Note ist weniger wichtig als die Show. Hauptsache man teilt sich mit.

Die Vergleichssüchtige: Da kann die Lehrperson noch so oft predigen, dass soziale Vergleiche unglücklich machen: Wenn sie die Prüfung erhält, geht es weniger um die Frage «Was habe ich?», sondern um die Frage «Was haben die anderen?». Und wehe ein Schüler hat für eine ähnliche Antwort mehr Punkte erhalten! Dann fühlt sie sich sofort in ihrem Gefühl bestätigt, ungerecht behandelt worden zu sein.

Oberstufenlehrer Roger Braun

Unser Kolumnist wurde als Quereinsteiger zum Lehrer. Hier teilt er seine Beobachtungen zum Schulalltag. In seinem früheren Leben war er Journalist.[email protected]

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