Das hab ich nie bestellt!
„Schatzi, hast du was auf meinen Namen bestellt?“ Nein, das habe ich nicht, erkläre ich meiner Frau. Den Luxus-Onlineshop, von dem laut der Post-App auf ihrem Handy ein Paket zu uns nach Hause unterwegs ist, kenne ich nicht einmal. Sie selbst hat dort auch kein Kundenkonto. Klarer Fall, da stimmt was nicht. Noch verdächtiger ist die nächste Nachricht in der Post-App ein paar Stunden später: Das Paket wurde umgeleitet, und zwar zu einer gut 20 Kilometer entfernten Abholstation. Jetzt ist es amtlich: Hier betrügt jemand mit den Daten meiner Frau.
Während ich noch darüber nachdenke, wie jemand es geschafft hat, nicht nur in ihrem Namen ein Paket zu bestellen, sondern auch noch in ihren Post- Account einzusteigen, um es umzuleiten, sitzt sie schon im Auto und rast wie die Feuerwehr zu besagter Abholstation, um die Sendung vor dem oder der Täter:in in die Hände zu bekommen. Es folgt ein Telefonmarathon mit dem Online-Shop und der Post, und das an einem Samstagvormittag.
Am Ende steht fest: Jemand hat mit dem Namen, dem Geburtsdatum und der Wohnadresse meiner Frau, aber einer anderen E-Mailadresse ein Kundenkonto angelegt und zwei Bestellungen auf Rechnung im Warenwert von insgesamt fast 1.000 Euro getätigt. Paket Nummer eins, das ein Parfum um 399 Euro enthält, hat meine Frau abgefangen und kann es gratis zurückschicken, nachdem sie glaubhaft versichert hat, dass sie es nicht gekauft hat. Paket Nummer zwei, eine Jacke um fast 600 Euro, kann noch vor der Auslieferung im Lager gestoppt werden. Somit beträgt unser Schaden die rund 3 Euro, die meine Frau mit dem Auto verfahren hat, und das Porto hin und zurück sowie den Handling-Aufwand für den Shop. Wäre der oder die Täter:in erfolgreich gewesen, hätte er oder sie beide Pakete gemütlich abgeholt, die per Mail verschickten Rechnungen ignoriert, und meiner Frau wäre irgendwann eine schriftliche Mahnung per Post ins Haus geflattert.
Es ist eine bestechend simple Betrugsmasche, für die es bloß ein bisschen Zeit und den Datensatz meiner Frau brauchte. Und der wurde, wie eine Abfrage auf der bereits von WZ-Redakteur Maximilian Hatzl © Wiener Zeitung
