Papa riecht schon wieder nach Alkohol
Triggerwarnung: In diesem Artikel geht es um Suizid und psychische Erkrankungen. Falls du auf diese Themen sensibel reagierst, lies bitte nicht weiter oder wende dich an eine vertraute Person.
„Hat sich Papa heute vielleicht das Leben genommen?“ Gedanken wie diese kreisen durch Lunas Kopf (Name von der Redaktion geändert). Sie steht vor der Garagentür und ihr Blick schweift auf den Türgriff. Sie zögert, aus Angst davor, was sie hinter der Tür erwarten könnte. Ihr Vater war zu der Zeit alkoholkrank und zeigte depressive Verstimmungen. Ab ihrem 16. Lebensjahr wiederholte sich diese Szene täglich. „Es war über Jahre hinweg jedes Mal meine Befürchtung, mit einer Welle von Erleichterung, wenn es nicht der Fall war“, erklärt die heute 31-Jährige.
Luna lebt schon lange nicht mehr mit ihrem Vater unter einem Dach. Doch die Erfahrungen aus ihrer Jugend begleiten sie bis heute, auch wenn er inzwischen trocken ist.
Mit ihren Ängsten und Sorgen um ihren Vater ist Luna nicht allein. In Österreich leben laut dem Kinderhilfswerk rund 150.000 Kinder in einem Haushalt, in dem mindestens ein Elternteil alkoholkrank ist. Auf Social Media trauen sich immer häufiger junge Menschen, von ihren Familienverhältnissen, Alkoholmissbrauch und den Folgen davon zu berichten.
„Ich finde, es tut noch viel mehr weh, wenn man sich daran erinnern kann, wie es davor war“, stellt Luna fest. Bevor ihr Vater dem Alkohol verfiel, waren ihre Eltern sehr gesellig. Sie gingen gemeinsam auf Feiern und lachten viel. Das Familienleben war geprägt von Leichtigkeit. Gemeinsame Mahlzeiten und lockere Gespräche über den Alltag oder Diskussionen über tiefgreifendere Themen waren selbstverständlich.
Doch mit 16 Jahren spürte sie, dass etwas nicht mehr stimmte. „Wenn ich von der Schule nach Hause gekommen bin, ist er auf der Couch gelegen und hat geschlafen.“ Immer häufiger zog er sich in den Keller zurück, kam anschließend lallend wieder hoch und stellte Fragen, die er kurz zuvor schon gestellt hatte. Er vergaß eine Sprachreise seiner Tochter, die er bereits bezahlt hatte, und stellte der Katze........
