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Cruel Summer: Taylor Swift, der IS und drei abgesagte Shows

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09.08.2025

Das Pärchen neben dem Straßenschild in der Wiener Corneliusgasse kommt aus Großbritannien. Bei ihrer Hochzeitsfeier haben sie zum Song „Love Story“ getanzt, heute tun sie das wieder. Ein Schritt vor, einer zurück, dann drehen. Das Wetter ist gut, es hat über 30 Grad, die Sonne prallt auf den Asphalt. Die mehreren Dutzend Menschen in der Seitengasse im sechsten Bezirk stört das nicht. Dicht an dicht drängen sie sich um eine große Lautsprecherbox mitten auf der Fahrbahn. Viele junge Frauen, ein Haufen Cowboystiefel, jede Menge Freundschaftsarmbändchen und eben: zwei tanzende Brit:innen. Sie haben alle etwas gemeinsam: Taylor Swift ist ihre Lieblingsmusikerin, Wien eine Reise wert, die Tickets zur weltweiten „The Eras Tour“ waren schnell gekauft. Doch Anfang August 2024 hieß das Ziel dann nicht Ernst-Happel-Stadion sondern Corneliusgasse.

Die Konzerte der US-Musikerin werden abgesagt: „Aufgrund der Bestätigung durch Regierungsbeamte über einen geplanten Terroranschlag im Ernst-Happel-Stadion haben wir keine andere Wahl, als die drei geplanten Shows zur Sicherheit aller abzusagen“, steht auf der Website des Veranstalters Barracuda Music. Seinen Hochzeitssong bekommt das Pärchen trotzdem vorgesungen – zwar nicht von Taylor Swift, sondern einem Haufen anderer Swifties in der Corneliusgasse. Ein Schritt vor, einer zurück, dann drehen. „I keep waiting for you, but you never come.“

Der Anfang vom Ende der Wiener Taylor-Swift-Konzerte ist ein Großeinsatz in Ternitz am 07. August 2024, einen Tag vor der ersten Show. Die Gemeinde liegt im niederösterreichischen Industrieviertel. 15.000 Einwohner:innen, Pfarrkirche, Raiffeisenbank. Beran A. wohnt dort, damals 19 Jahre alt. Am Vormittag wird er festgenommen. Er soll beabsichtigt haben, mit seinem Auto in die Menschenmenge vor dem Stadium zu rasen und Fans der US-Musikerin mit Bomben und Stichwaffen zu attackieren. „Sein Plan war, möglichst viele Menschen zu töten“, sagt der Leiter der Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN), Omar Haijawi-Pirchner. In einer Zeugenvernehmung, über die das Nachrichtenmagazin profil berichtete, soll A. wenige Tage vor seiner Festnahme einen Freund gefragt haben, woher man eine Zündschnur bekommen könne. „Warum?“ „Du wirst davon hören!“

Es ist nicht die einzige Festnahme an diesem Tag. Eine Autostunde entfernt klicken am Nachmittag........

© Wiener Zeitung