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Jens Spahn, Leihmutterschaft und die reproduktive Ausbeutung

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31.07.2026

Jens Spahn ist also zurückgetreten. Anlässe dafür gab es in der Vergangenheit schon einige, letztlich war ausschlaggebend: Er wurde Vater, indem er gemeinsam mit seinem Partner eine Leihmutter in den USA dafür bezahlt hat, ein Kind für sie auszutragen.

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Dies löste im gesamten deutschsprachigen Raum eine Debatte über Leihmutterschaft aus. Diese fokussierte sich weitestgehend auf die „Doppelmoral“ Spahns. Das ist verständlich: Spahn nämlich stimmte gemeinsam mit seiner Partei CDU noch vor wenigen Jahren gegen die Legalisierung von Leihmutterschaft in Deutschland. Im April 2020, als Spahn Gesundheitsminister war, erklärte das von ihm geführte Ministerium, dass Leihmutterschaft aus ethischen Gründen abzulehnen sei – mit Verweis auf Frauenrechte und Kindeswohl. Fünf Jahre zuvor hatte Spahn in einem Interview mit dem Männermagazin GQ Germany gesagt: „Als schwuler Mann und Christ kann ich mich persönlich nur sehr schwer mit der Idee eines gemieteten Mutterbauchs anfreunden.“ Der weniger häufig zitierte zweite Teil des Zitats lautet allerdings: „Zu akzeptieren, dass ich nicht auf natürlichem Weg Vater werde, verlangt ein großes Maß an Demut. Ob ich das aufbringen kann, weiß ich nicht.“ Inzwischen hat er es offenbar herausgefunden – und wir mit ihm: Er kann nicht.

(Demut ist persönlichkeitskonstitutiv insgesamt selten ein Merkmal mächtiger Männer, aber das ist ein anderes Thema.)

Um die Sachlage zusammenzufassen: Jens Spahn ist Fraktionsführer jener Partei, die federführend dafür verantwortlich ist, dass Leihmutterschaft in Deutschland verboten bleibt. Er ist derjenige, der, als sie zuletzt debattiert wurde, gar als themenverantwortlicher Gesundheitsminister dafür sorgte, dass sie verboten bleibt. Er fuhr ins Ausland (wo Leihmutterschaft nicht verboten ist), um sie dort in Anspruch zu nehmen. Gründe, hier Doppelmoral anzuprangern, gibt es also zur Genüge. Falsch ist allerdings die Schlussfolgerung, dass wegen dieser, wie man in Österreich sagen würde, Situationselastizität (anders als die Demut persönlichkeitskonstitutiv ein häufiges Merkmal mächtiger Männer) auch alle anderen können sollen, was Jens Spahn können kann. Nämlich nicht nur ins Ausland zu fahren, um Frauen reproduktiv für Geld auszubeuten, sondern es auch hier tun zu können, im Inland.

Denn dass Jens Spahn eine Leihmutter beauftragt hat, ist nicht nur, wie Samuel Benke in GQ Germany schreibt, „ein Schlag ins Gesicht all derer, die sich das nicht leisten können“, sondern vor allem ein Schlag ins Gesicht aller Frauen. Die bekommen mit dem Fall nämlich erneut vorexerziert, dass sie in einer Welt leben, die sie und ihre Körper gnadenlos objektifiziert, entmenschlicht und zur Ware macht.

Frauen und ihre Körper sind keine benutzbaren und kaufbaren Produkte – es gibt kein Recht darauf, ihre Uteri oder andere Körperteile zu „leihen“, auch gegen Geld nicht. Auch dann nicht, wenn jene, die diese Körperteile leihen, sich sehnlichst ein Kind wünschen.........

© Wiener Zeitung