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Reservisten mit 70 gesucht: Alt genug für die Rente, jung genug für die Reserve

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tuesday

Mit 67 in den Ruhestand – und doch noch mal die Uniform anziehen? Was absurd klingt, kann schon bald politische Realität sein. Nach den Plänen von Bastian Ernst, Chef des Reservistenverbands, soll die Altersgrenze für Reservisten auf 70 steigen. Viele Menschen sind heute länger fit, erfahren und belastbar. Wer Jahrzehnte gearbeitet hat, bringt Fähigkeiten mit, die auch der Reserve nützen können. Warum also nicht länger einplanen?

Doch die Idee ist nur so lange schlüssig, wie sie abstrakt bleibt. Denn die Realität sieht so aus: Der 66-jährige Elektriker, der seinen Ruhestand plant, soll wieder an Übungen teilnehmen. Oder mein 68-jähriger Vater, der es in den Knien hat, aber fit genug wäre, rekrutiert zu werden. Eine Gesellschaft, die über steigendes Rentenalter, überlastete Pflege und Erschöpfung diskutiert, erklärt ihren Älteren, dass sie auch sicherheitspolitisch länger gebraucht werden.

Bundeswehr in Deutschland: Reservisten bis 70 gesucht

Das eigentliche Problem liegt doch woanders. Die Bundeswehr kämpft seit Jahren mit Nachwuchsproblemen, Bürokratie und Ausrüstungslücken. Vor allem mit der Frage, warum sich zu wenige Jüngere dauerhaft binden wollen. Wer dieses Problem nicht löst, wird es nicht dadurch beheben, dass er die Altersgrenze nach oben erweitert.

Natürlich ist Erfahrung wichtig. Vor allem in der Logistik oder im Zivilschutz. Aber verlangt die heutige Verteidigung nicht mehr? Tempo, körperliche Belastbarkeit, technologische Anpassungsfähigkeit. Eine Auseinandersetzung mit der Rolle der Bundeswehr in dieser Gesellschaft würde dem Land guttun. Wenn eine Armee ihre Zukunft aus der Vergangenheit rekrutiert, ist das ein Alarmsignal.


© Westfaelische Rundschau