Donald Trump und die stille Neuordnung der NATO
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Donald Trump und die stille Neuordnung der NATO
07. Mai 2026 | Jörg Nackmayr | Burghard Jepsen
Welche Hintergründe der Abzug von 5000 US-Soldaten aus Deutschland auf Europas Sicherheit wirklich hat
VON JÖRG-DIETRICH NACKMAYR UND BURGHARD JEPSEN
Der angekündigte Abzug von mindestens 5.000 US-Soldaten aus Deutschland wird vielfach als politische Retourkutsche Washingtons gegenüber dem als unkooperativ wahrgenommenen Bundeskanzler interpretiert. Auch die Aussetzung der Stationierung weitreichender Marschflugkörper fügt sich in dieses Bild einer transatlantischen Verstimmung ein.
Doch diese Deutung greift zu kurz. Hinter dem medialen Schlagabtausch vollzieht sich derzeit ein wesentlich tiefergehender Prozess: Die Vereinigten Staaten bauen die internen Entscheidungs- und Führungsstrukturen der NATO grundlegend um. In dieser stillen Transformation zeigt sich deutlicher als in jeder Truppenverlegung, welche Rolle die Allianz künftig spielen soll – und welche Rolle die USA darin tatsächlich übernehmen wollen.
Vier konkrete Maßnahmen
Im Kern lassen sich vier konkrete Maßnahmen identifizieren.
Erstens: Die USA geben zentrale operative Kommandoposten ab. Die drei Joint Force Commands (JFC), also die eigentlichen Kriegskommandos der NATO, werden künftig europäisch geführt. Norfolk soll unter britische Führung übergehen, Neapel unter italienische, während Brunssum zwischen Deutschland und Polen rotieren dürfte. Damit liegt die operative Führung großer militärischer Einsätze erstmals vollständig in europäischer Hand.
Zweitens: Gleichzeitig sichern sich die USA die entscheidenden Schlüsselpositionen. Der Supreme Allied Commander Europe (SACEUR) bleibt weiterhin ein amerikanischer Vier-Sterne-General. Zudem........
