Wie die Deutschen ticken: Jeder Vierte für Union-AfD-Koalition
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Wie die Deutschen ticken: Jeder Vierte für Union-AfD-Koalition
22. März 2026 | Hermann Binkert
INSA-Umfrage zu den bevorzugten Koalitionen, die nach aktuellen Umfragen eine Mehrheit hätten. Ergebnis: Keine Option ist wirklich beliebt
Parteien, die bei Wahlen erfolgreich sind, deren Werte steigen oft auch in darauf folgenden Umfragen. Wir haben deshalb einmal nachgefragt, welche Parteien aus Sicht der Befragten in der bundespolitischen Stimmung vom Wahlausgang in Baden-Württemberg profitieren. 37 Prozent nannten Bündnis90/Die Grünen, die mit Cem Özdemir als Spitzenkandidaten den ersten Platz belegten. 24 Prozent nannten die AfD, die ihr Landtagswahlergebnis im Vergleich zur Landtagswahl 2021 verdoppeln konnten, und 20 Prozent die CDU, die zwar ihr Ziel, stärkste Kraft zu werden, nicht erreichte, aber neben der AfD zu den größten Stimmengewinnern gehörte.
CDU/CSU-Wähler (42 Partei) sehen vor allem die Union als Profiteur der Landtagswahl im Südwesten, AfD-Wähler (46 Prozent) ebenfalls ihre Partei und insbesondere Grünen-Wähler (67 Prozent) gehen davon aus, dass Bündnis90/Die Grünen vom ersten Platz ihrer Partei in Baden-Württemberg auch bundesweit profitieren werden.
Viele unterstellen, dass der Erfolg beflügelt. Tatsächlich verbessert sich für die erfolgreichen Parteien auch oft die Stimmung, aber diese Stimmungsverbesserung ist nicht zwingend nachhaltig. Andere Themen und weitere Wahlen können hier auch schnell wieder zu einer Trendumkehr führen. Die Begeisterung eines Wahlerfolgs ist nie eine Heringsware, die man für lange Zeit konservieren kann. Wir können dies möglicherweise am heutigen Sonntag in Rheinland-Pfalz bestätigt sehen – oder entkräftet.
Wie wählt der Öffentliche Dienst?
Bei Wahlen werden auch häufig Berufsgruppen und deren Wahlverhalten unter die Lupe genommen. Interessant ist für viele die immer größer werdende Gruppe der im Öffentlichen Dienst Beschäftigten. Über fünf Millionen Menschen arbeiten in Deutschland im Öffentlich Dienst. Wenn wir im INSA-Meinungstrend das Wahlverhalten derjenigen, die im Öffentlichen Dienst beschäftigt sind, mit denen vergleichen, die nicht im Öffentlichen Dienst beschäftigt sind, dann stellen wir fest, dass Beschäftigte im Öffentlichen Dienst etwas häufiger für SPD und Grüne stimmen wollen als Befragte, die außerhalb des Öffentlichen Dienstes beschäftigt sind. Bei Wählern der AfD verhält es sich genau andersherum. Für die restlichen Parteien ergeben sich keine relevanten Unterschiede.
Das führt uns zu dem Thema, welche Koalitionen sich die Deutschen wünschten, wenn die nach derzeitigen Umfragen rechnerisch möglichen Regierungskonstellationen abgefragt werden – zu denen Rot-Schwarz aktuell nicht gehört. Das wären eine schwarz-blaue Koalition, ein Kenia-Bündnis (Schwarz-Rot-Grün) oder Union mit SPD und Linkspartei. Eine knappe relative Mehrheit von 26 Prozent bevorzugt keine der drei genannten Varianten. 25 Prozent sprechen sich für eine CDU/CSU-AfD-Koalition aus, 24 Prozent für eine CDU/CSU-SPD-Bündnis90/Die Grünen-Koalition und 14 Prozent für eine Koalition aus CDU/CSU, SPD und Linkspartei.
Die politische Stimmung und damit die gemessene Wahlabsicht ist recht stabil, von den politischen Konstellationen, die sich daraus ergeben könnten, sind viele Bürger aber offensichtlich nicht wirklich überzeugt.
