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Aufsichtsräte gewinnen an Einfluss: Die stille Verschiebung der Macht

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29.04.2026

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Aufsichtsräte gewinnen an Einfluss: Die stille Verschiebung der Macht

29. April 2026 | Britta Kuschnigg | Lesezeit: 5 Min.

Aufsichtsräte sind längst mehr als Kontrolleure. Beim Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 wurde deutlich, wie stark sie Strategie, Technologiefragen und Unternehmensführung heute mitprägen.

Ludwig-Erhard-Gipfel 2026: Warum Aufsichtsräte heute mehr sind als Kontrolleure und wie sie strategisch mitentscheiden

28.04.2026 Tegernsee – Der Aufsichtsrat hat seinen Ruhepuls verloren – und das ist eine gute Nachricht. Die Zeiten des höflichen Abnickens sind vorbei: Heute sitzt er nicht mehr am Rand, sondern im Zentrum des strategischen Geschehens. Was lange als Hüter der Ordnung galt, entwickelt sich zunehmend zum Architekten.

Traditionell waren die Rollen klar verteilt: Der Vorstand führt, der Aufsichtsrat kontrolliert. Punkt. Heute wirkt diese Arbeitsteilung fast schon wie ein Relikt aus einer anderen Zeit. Denn wenn Entscheidungen unter Unsicherheit getroffen werden müssen, reicht reine Kontrolle nicht mehr aus – Vorstände brauchen immer häufiger einen Aufsichtsrat, der kritisch hinterfragt und zugleich als konstruktiver Sparringspartner zur Seite steht. Die Frage lautet daher nicht mehr, ob sich die Rolle des Aufsichtsrates verändert hat – sondern wie weit dieser Wandel bereits reicht.

Genau das wurde beim Ludwig-Erhard-Gipfel 2026 am Tegernsee deutlich. Auf dem Podium diskutierten drei Persönlichkeiten, die unterschiedlicher kaum auf das Thema blicken könnten: Margrit Suckale, erfahrene Managerin und vielfache Aufsichtsrätin; Dr. Reinhard Ploss, Aufsichtsratsvorsitzender von Knorr-Bremse; und Dr. Andreas Liebl, Tech-Vordenker und selbst Geschäftsführer mit eigenem Aufsichtsrat. Moderiert wurde die Runde Ulrich Reitz (RTL/ntv).

Vom Zigarrenzirkel zum Strategiegremium

Margret Suckale bringt den Wandel mit einem Bild auf den Punkt, das heute beinahe anachronistisch wirkt: „Früher wurden zu einem gewissen Zeitpunkt Zigarren und Cognac gereicht.“ Ein Satz aus einer anderen Zeit – und genau dort gehört er auch hin. Denn der repräsentative Aufsichtsrat hat ausgedient.

Was einst delegierbar war, ist heute Chefsache. Für Suckale ist das nur folgerichtig – es verlangt jedoch eine neue Haltung und ein........

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