WIPO Alert Pay greift Piraterie über den Zahlungsweg an
WIPO Alert Pay greift Piraterie über den Zahlungsweg an
WIPO Alert Pay bringt Rechteinhaber und Zahlungsdienste zusammen. Piraterie wird damit nicht nur gesperrt, sondern über Zahlungen getroffen.
Von Werbegeldern zu Händlerkonten
Was die WIPO damit erreichen will
Wie Meldungen überprüft werden
Das Pilotprojekt zeigt die Richtung
Finanzielle Sperren statt Netzsperren
WIPO Alert Pay - unser Fazit
Rechteinhaber gehen gegen Piraterie nicht mehr nur über Server, Domain- und DNS-Sperren vor. Sie setzen dort an, wo die Piraterie wirtschaftlich funktioniert. Suchmaschinen entfernen Treffer, Werbenetzwerke meiden bekannte Piraterieseiten und Provider sperren Live-Sport dynamisch. Dadurch geraten Hoster und Registrare zunehmend unter Druck. Mit WIPO Alert Pay steht nun eine weitere Möglichkeit im Kampf gegen Raubkopien zur Verfügung. Die Plattform zielt nicht auf den Zugriff, sondern auf Zahlungen, Händlerkonten und Auszahlungen ab.
Die Weltorganisation für geistiges Eigentum (WIPO) will mit WIPO Alert Pay Rechteinhaber und Zahlungsdienstleister zusammenbringen. In den WIPO-Unterlagen nennt man dabei ausdrücklich Mastercard und PayPal als Mitglieder. Rechteinhaber sollen auffällige Angebote melden können. Zahlungsanbieter prüfen diese Hinweise anschließend nach ihren eigenen Regeln und entscheiden, ob sie gegen ein Konto, einen Checkout oder eine Auszahlung vorgehen.
Von Werbegeldern zu Händlerkonten
WIPO Alert Pay ist keine völlig neue Idee. Mit WIPO Alert gibt es bereits ein System, das Werbegelder von Piraterieseiten fernhalten soll. Werbetreibende sollen ihre Anzeigen nicht auf Angeboten platzieren, die von Rechteinhabern als problematisch gemeldet wurden. Wenn diese Einnahmen wegbrechen, verliert das Geschäftsmodell schnell an Stabilität.
Mit WIPO Alert Pay wird dieser Ansatz nun auch auf Zahlungen übertragen. Dadurch rücken Abonnements, Kreditkarten, Händlerkonten, Reseller-Strukturen und Zahlungsfrontends in den Mittelpunkt. Das kann stärkere Auswirkungen auf kommerzielle Piraterie haben als der nächste Eintrag auf einer Sperrliste. Eine Domain lässt sich wechseln, ein Mirror steht schnell wieder online und ein neues Frontend können Betreiber oft schneller neu aufbauen, als Rechteinhaber reagieren können. Wenn ein Zahlungsanbieter den Checkout sperrt oder Auszahlungen stoppt, hilft die nächste Ersatzdomain nur noch begrenzt.
TorrentFreak ordnet WIPO Alert Pay deshalb als den nächsten logischen Schritt nach WIPO Alert ein. Zunächst ging es nur um die Werbegelder aus den ganzen Ad-Netzwerken. Jetzt geht es um die Finanzinfrastruktur hinter den Piraterieangeboten.
Was die WIPO damit erreichen will
Die Organisation nennt dabei zwei Ziele. Das System soll gegen den Online-Verkauf gefälschter Waren und gegen abonnementbasierte Dienste, die raubkopierte Inhalte anbieten, helfen. Damit sind nicht einzelne Nutzer gemeint, sondern Angebote, die mit gefälschten Produkten, IPTV-Zugängen oder Piraterie-Abos Geld verdienen.
Bei Fake-Shops ist dieser Ansatz selbsterklärend. Wer fremde Marken nutzt, Käufer täuscht oder Zahlungslogos einbindet, um Seriosität vorzutäuschen, agiert klar kriminell. Solche Angebote schaden logischerweise Rechteinhabern und Käufern. Wenn ein Online-Shop PayPal, Mastercard oder andere Zahlungsdienstleister missbraucht, hat jeder betroffene Zahlungsanbieter verständlicherweise ein direktes Interesse, dagegen aktiv vorzugehen.
Bei Piraterie-Angeboten ist es komplizierter. Ein IPTV-Shop, der ohne die entsprechenden Rechte........
