Kindern große Fragen stellen
Das Klavier setzt an, die Pianistin lässt ein Vorspiel erklingen und dann beginnt das Kinderlied: „Folgen, Leben mit Jesus hat Folgen!“ Laut und deutlich, weil viele Stimmen gemeinsam singen; Kinder sind allerdings nicht dabei. Stattdessen sitzen jede Menge Erwachsene im alten Pfarrsaal der Gemeinde St. Georg in Leipzig. Das Lied ist bekannt und alle singen mit. Kein Wunder: Die Erwachsenen sind Begleiter der Religiösen Kinderwoche (RKW). Sie kennen die Lieder, die Kinder auf den RKWs seit jeher singen. Einige von ihnen waren früher sogar selbst als Kinder dabei.
Jetzt sind sie zu einer Fortbildung gekommen, um Rainer Oberthür zu treffen. Der Religionspädagoge hat etliche Bücher für Kinder und Erwachsene zu Fragen nach dem Glauben, nach Gott und dem Sinn des Lebens veröffentlicht. In seinen Fortbildungen will er anderen weitergeben, welche Erfahrungen er als Religionslehrer gemacht hat und wie er mit Kindern dort über genau solche Fragen spricht.
„Wo ist der Regenbogen zu Ende? In deiner Seele, oder am Horizont?“ Wenn Rainer Oberthür mit Kindern über Gott und das Leben staunen will, wie er es nennt, fängt er immer erst mal mit Fragen an, sagt er. Das gebe Kindern den Impuls, selbst etwas zu tun. Dabei, davon ist er überzeugt, kann man Kindern auch etwas zutrauen. „Kinder können auf den Punkt bringen, worüber wir sonst manchmal lange Predigten hören“, sagt der Autor. Er glaubt, dass auch Kinder bereits ein Gespür für Gegensätze in der Welt haben – und dass man in diesen Gegensätzen auch über Gott sprechen könne.
Gott ist quadratisch und achteckig
„Gott ist eine unendliche Kugel, deren Mittelpunkt überall ist und deren Umfang nirgends ist“, ist eines der sprachlichen Bilder, über das er mit seinen Schülern diskutiert hat. „Gott ist alles zugleich: quadratisch, blau, gelb, achteckig, groß, klein“, habe ein Junge darauf geantwortet. Eine kindlich formulierte Antwort – und genau das ist gut. Oberthür regt die Kinder an, in Sätzen zu antworten „die nur sie sagen würden, weil sie einzigartig sind“. So entstehen kleine Schätze, die Wichtiges ausdrücken. „Gott ist einfach das Beste, was einem über den Weg laufen kann!“, stammt beispielsweise von einem Viertklässler. „Mit dem dritten und vierten Schuljahr zu arbeiten, ist einfach genial“, sagt Oberthür, „da haben die Kinder es sich noch nicht so in der Welt zurecht gemacht.“
Fragen stellen – zum Fragen motivieren
Der Religionspädagoge wird kreativ, wenn er seine Schüler zum Denken anregen möchte. Er stellt Fragen zum Leben: „Wo bleibt die Zeit, wenn sie vergangen ist?“ „Wie würdest du das Hin und Her menschlicher Gefühle malen?“ Zu Gott: „Stell dir vor, du redest mit jemandem, der nicht an Gott glaubt – was würdest du........
