„Wir müssen die Klage der Natur hören lernen“
Herr Professor Vogt, was ist für Sie der Kern der Lesung?
Dieses Bild, dass die ganze Schöpfung seufzt und in Geburtswehen liegt, ist sehr, sehr einprägsam. Später seufzen dort auch der Heilige Geist und die ganze Menschheit. Das zeigt: Alles ist eins, wir sind eine Schöpfungsgemeinschaft und eine Schicksalsgemeinschaft. Es gibt keine Erlösung des Menschen ohne Erlösung der Natur – und umgekehrt keine Erlösung der Schöpfung ohne die Erlösung der Kinder Gottes.
Wenn die Natur leidet, leidet der Mensch – und umgekehrt?
Ja, so sieht Paulus das, und so erleben wir es heute extrem. Durch das Fehlverhalten des Menschen leidet die Schöpfung, leiden die Mitgeschöpfe, die Tiere, Pflanzen und Lebensräume. Und indem sie leiden, leidet auch der Mensch. Es gibt kein gelungenes Leben des Menschen ohne die Natur.
Auf welchem Hintergrund sagt Paulus so etwas? Er war ja kein Ökologe.
Zum einen gab es im Judentum, in der ganzen biblischen Tradition von der Genesis bis zu den Gleichnissen Jesu eine große Naturverbundenheit. Andererseits ist der Paulustext aber erst mal eine Deutung der schwierigen Zeit, in der er lebte. Paulus hatte ein starkes Endzeitbewusstsein. Aber nicht resigniert, sondern als gespannte Erwartung auf etwas Neues, das wir jetzt noch nicht wissen können, auf das er aber mit Hoffnung blickt. Wie eben........
