„Vaterland“: Thomas Mann und die Last der Heimat
Ruinen ziehen am Fenster vorbei, dazwischen stehen Gebäude, die den Krieg überstanden haben. In einer schwarzen Buick-Limousine fahren Thomas Mann und seine Tochter Erika 1949 durch ein fremd gewordenes Land. Sechzehn Jahre nach seiner Flucht kehrt der Literaturnobelpreisträger in seine Heimat zurück - und findet sie nicht wieder.
In „Vaterland“ macht Pawel Pawlikowski die Fahrt durch das geteilte Nachkriegsdeutschland zu einem ungewöhnlich stillen Roadmovie. Vor dem Hintergrund der politischen Spannungen des beginnenden Kalten Krieges verbindet der polnische Regisseur die Geschichte eines Intellektuellen mit dem Drama einer Familie und den moralischen Widersprüchen ihrer Zeit. Ein zutiefst bewegender Film - in jener unverwechselbaren Ästhetik, die Pawlikowski bereits in „Ida“ und „Cold War - Der Breitengrad der Liebe“ entwickelt hat.
Thomas Mann (Hanns Zischler), der bereits 1933 ins Exil gegangen war, kehrt sechzehn Jahre später zurück, um zwei Goethe-Preise entgegenzunehmen: einen im amerikanisch besetzten Frankfurt am Main, den anderen im sowjetisch kontrollierten Weimar. Doch die beiden Deutschlands, die um seine Anwesenheit und sein Prestige wetteifern, könnten unterschiedlicher kaum sein.
Historisch wurde Mann 1949 von seiner Frau Katia begleitet. Pawlikowski rückt stattdessen die Vater-Tochter-Beziehung ins Zentrum und erzählt von Erika (Sandra Hüller), Manns engster Vertrauten und rechten Hand. Mit statischer Kamera,........
