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Stress und Blutdruck: Wie stark ist der Zusammenhang wirklich?

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01.04.2026

Stress gehört für viele Menschen zum Alltag – sei es durch Druck im Job, private Verpflichtungen oder unerwartete Herausforderungen. Ruhepausen kommen dabei häufig zu kurz. Neben psychischen Belastungen kann Stress auch körperliche Auswirkungen haben, von einer veränderten Hormonproduktion bis zu einem erhöhten Diabetes-Risiko. Doch wie steht es um den Blutdruck? Beeinflusst Stress ihn wirklich – und wenn ja, wie stark?

Stress und Blutdruck: Wie hängen sie zusammen?

Der Blutdruck ist ein dynamisches System, das sich innerhalb kürzester Zeit verändern kann. Er steigt etwa bei körperlicher Anstrengung an oder sinkt beim Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen. Neben solchen körperlichen Einflüssen wirken sich laut der Deutschen Hochdruckliga (DHL) auch psychische Faktoren auf den Blutdruck aus, zum Beispiel Stress.

Gerät der Körper unter Stress, versetzt ihn das in eine Art Alarmbereitschaft. Dabei wird eine Kettenreaktion ausgelöst, die den Körper kurzfristig leistungsfähiger macht: Das Herz pumpt schneller und kräftiger, die Blutgefäße verengen sich – und der Blutdruck steigt. Laut dem Online-Portal praktischarzt.de verläuft der Anstieg des Blutdrucks folgendermaßen:

In einer stressigen Situation werden sogenannte Stressoren (äußere Reize) über die Sinnesorgane wie Augen, Ohren oder Nase wahrgenommen.

Diese Reize werden an bestimmte Regionen im Gehirn weitergeleitet und dort bewertet.

Wird die Situation als bedrohlich eingeschätzt, schüttet der Körper Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin aus.

Diese Hormone sorgen dafür, dass sich die Muskeln anspannen, die Atmung schneller wird, das Herz kräftiger pumpt, sich die Blutgefäße verengen und der Blutdruck steigt.

Bluthochdruck: Ist Stress ein Auslöser?

Kurzfristig kann Stress den Blutdruck deutlich in die Höhe treiben. In der Regel ist das unproblematisch, da sich der Körper nach der Belastung wieder reguliert. Der DHL zufolge kann Stress sogar hilfreich sein: Stress macht wach, steigert die Leistungsfähigkeit und hilft, auf Herausforderungen zu reagieren.

Doch was passiert, wenn Stress zum Dauerzustand wird? Kann das langfristige Folgen für den Blutdruck haben? Laut praktischarzt.de gilt chronischer Stress als ein Faktor, der Bluthochdruck begünstigen kann. Wer häufig unter psychischen Belastungen wie finanziellen Sorgen, Konflikten in Beziehungen oder anhaltendem Zeit- und Leistungsdruck steht, setzt sein Herz-Kreislauf-System dauerhaft unter Spannung. Die Folge kann ein anhaltend erhöhter Blutdruck sein – mit entsprechenden gesundheitlichen Risiken, insbesondere wenn er unbehandelt bleibt. Besonders für Menschen mit Risikofaktoren wie Übergewicht oder Diabetes kann chronischer Stress der DHL zufolge das Risiko für Bluthochdruck erhöhen und langfristig das Herz-Kreislauf-System schädigen.

Stress und Blutdruck: Welche Symptome treten noch auf?

Neben dem erhöhten Blutdruck kann Stress weitere körperliche Beschwerden auslösen. Nach Angaben von internisten-im-netz.de, einer Seite des Berufsverbands der deutschen Internistinnen und Internisten, treten häufig folgende Symptome auf:

Konzentrationsprobleme

Wie hoch ist der Blutdruck bei Stress?

Wie stark der Blutdruck bei Stress ansteigt, hängt vom Ausmaß der Belastung ab. Laut der Österreichischen Gesellschaft für Hypertensiologie gilt: Je intensiver der Stress, desto höher kann auch der Blutdruck ausfallen. Besonders der systolische Wert – also der obere Blutdruckwert – reagiert deutlich auf Stress. Wie praktischarzt.de informiert, kann er in belastenden Situationen auf über 180 mmHg steigen. Der diastolische Wert – also der untere Blutdruckwert – erhöht sich ebenfalls, jedoch meist weniger stark.

Zum Vergleich: Bei einem normalen Blutdruck liegen die Werte etwa bei 130 zu 85 mmHg.

Erhöhter Blutdruck durch Stress: Wann sollte man zum Arzt?

Steigt der Blutdruck plötzlich auf Werte über 180 zu 100 mmHg, kann das laut der Deutschen Herzstiftung in bestimmten Fällen gefährlich werden – besonders, wenn Begleitsymptome wie Brustschmerzen, Atemnot oder Sehstörungen auftreten. In solchen Situationen sollte sofort das Krankenhaus aufgesucht werden. „Dann handelt es sich um einen Bluthochdrucknotfall (hypertensiven Notfall), bei dem sofort die Rettungsleitstelle über die 112 alarmiert werden muss“, erklärt der Herzspezialist Bernhard Krämer. Unbehandelt kann ein solcher Notfall im Extremfall zu einem Schlaganfall oder zum Versagen der Gehirn-Autoregulation führen.

Sind bei hohen Blutdruckwerten hingegen keine schwerwiegenden Symptome vorhanden, sondern nur leichte Anzeichen wie Kopfschmerzen oder Schwindel, ist dies der Deutschen Herzstiftung zufolge in der Regel nicht besorgniserregend. Betroffene sollten sich zunächst hinlegen und nach etwa 30 Minuten den Blutdruck erneut messen. Bis dahin normalisiert er sich oft. In den folgenden Tagen sollten die Werte jedoch weiter beobachtet werden. Bleiben diese unverändert hoch, sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Bluthochdruck durch Stress: Was hilft dagegen?

Steigt der Blutdruck durch Stress an, ist es in erster Linie wichtig, die akute Belastung zu bewältigen. Laut der Deutschen Hochdruckliga gibt es verschiedene Strategien, um stressige Situationen gezielt zu meistern.

Während einer stressigen Situation:

Emotionale Distanz schaffen: Stress kann stark belasten und einen psychisch mitnehmen. Um einen klaren Kopf zu bekommen, kann es helfen, die Situation bewusst nüchtern zu betrachten: Lässt sie sich beeinflussen, können gezielt Lösungen gesucht werden. Ist das nicht der Fall, kann es entlastend sein, die Situation zu akzeptieren und den Fokus auf das Machbare zu richten.

Aufgaben priorisieren: Nicht alles muss sofort erledigt werden. Es kann helfen, zwischen dringend und weniger dringend zu unterscheiden. Aufgaben lassen sich gegebenenfalls verschieben, delegieren oder auch außen vor lassen.

Nach einer stressigen Situation:

Vorbereitung für künftige Belastungen: Wer sich auf typische Stresssituationen vorbereitet, kann souveräner reagieren. Konkrete „Wenn-dann-Pläne“ oder Checklisten können dabei helfen, den Überblick zu behalten und schneller handlungsfähig zu sein.

Resilienz stärken: Eine höhere psychische Widerstandskraft kann zusätzlich helfen, Stress besser zu verarbeiten. Unterstützend wirken regelmäßige Bewegung, eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf sowie Entspannungstechniken wie Atemübungen. Auch eine optimistische Grundhaltung, Akzeptanz und Dankbarkeit können dazu beitragen, gelassener zu bleiben. Laut der DHL gelingt es Menschen mit hoher Resilienz besser, die für die Stressverarbeitung zuständigen Gehirnregionen zu regulieren – wodurch sich auch die Auswirkungen auf Herz, Kreislauf und Blutdruck verringern können.

Ebenso können Entspannungsmethoden wie die progressive Muskelentspannung nach Jacobson helfen, den Blutdruck zu senken. Dabei werden einzelne Muskelgruppen gezielt angespannt und anschließend wieder entspannt. Aber auch Aktivitäten wie Musik hören, Zeit mit Haustieren verbringen oder ein Spaziergang durch den Wald können helfen, Stress abzubauen und den Blutdruck zu stabilisieren.

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