Eine listenreiche Piratin: Die Legende von Anne Bonny kommt auf die Bühne
Ja, es soll sie tatsächlich gegeben haben: Frauen, die als Piratinnen die Weltmeere unsicher machten. Die vielleicht berühmteste von ihnen ist Anne Bonny. Das See-Burgtheater in Kreuzlingen widmet ihr mit „Die Legende von Anne Bonny“ seine sommerliche Freiluftaufführung.
„Piraterie ist so alt wie die Seeschifffahrt selbst, und bis heute hat sich wenig an der Art der Vorgehensweise von Straftätern auf See geändert. Diebstahl, Raub, Mord und Geiselnahme, um Geld zu erpressen, sind die klassischen Delikte von Piraten“, schreibt das Bundesministerium für Verkehr auf seiner Homepage.
Trotzdem ist das Piratentum in der Populärkultur seit rund 100 Jahren romantisierend und verklärend vertreten. Wer kennt nicht „Unter Piratenflagge“ (1935) und „Der Herr der sieben Meere“ (1940) mit Errol Flynn, Burt Lancaster in „Der rote Korsar“ (1952) oder Geena Davis als „Die Piratenbraut“ (1995) – und nicht zu vergessen die Reihe „Fluch der Karibik“ (ab 2003) mit Johnny Depp.
Die legendäre Frau soll tatsächlich gelebt haben
Idee und Skript für „Die Legende von Anne Bonny“ stammen von Rahel Wohlgensinger und Simon Engeli, der auch Regie führt. „Sie war furchtlos, clever, charismatisch“, schreiben die beiden. Dass sie wirklich gelebt hat, gilt als wahrscheinlich. So sind in der Encyclopædia Britannica ihre mutmaßlichen Lebensdaten angegeben mit 1698, geboren in der Nähe des irischen Ortes Cork, und gestorben am 25. April 1782 im amerikanischen Charles Towne (dem heutigen Charleston) in South Carolina.
Im Allgemeinen sei die Datenlage über Piratinnen schlecht, so Simon Engeli. Über Anne Bonny gebe es immerhin zwei Dokumente und die Tatsache, dass die Legendenbildung schon bald eingesetzt habe.
Das Theaterstück beginnt in ihrer Kindheit. Das ungestüme Mädchen wächst auf einer Plantage auf. „Sie heiratet den ersten Piraten, der ihr über den Weg kommt“, erzählt Engeli. Von ihrem Ehemann werde sie jedoch bald enttäuscht, zumal er sich als Spitzel für die Briten verdingt. Anna Bonny heuert als Mann verkleidet auf einem Piratenschiff an, wo sie auf Mary Read, verkleidet als Michael Read, trifft.
Das Ende der Geschichte bleibt bewusst offen
„Anne ist eine clevere, listenreiche Frau, die weiß, wie man Kauffahrer überfällt“, erklärt der Regisseur. Schließlich übernimmt sie das Kommando. Allerdings währt ihre Karriere gerade mal zwei Jahre. Sie wird gefangen genommen und kommt vor Gericht. Dort bedient sie sich einer List, um dem Gehängtwerden zu entkommen. „Wir lassen ihr Ende offen“, erläutert Simon Engeli.
Für erheiternde Elemente dürfte ein Pavian sorgen, der gerne in Fässern badet. „Er wird gerade in Berlin gebaut“, berichtet Puppenspielerin Rahel Wohlgensinger, die dem Affen Leben einhauchen wird. „Er heißt Rose, ist aber ein Männchen. Die Rollenfertigung kommt noch“, verrät sie. Tochter Klara Engeli wird im Wechsel mit Mathilda Sprater die kleine Anne spielen.
Die Premiere von „Die Legende von Anne Bonny“ ist am Donnerstag, 9. Juli. Bis Dienstag, 4. August, gibt es 20 etwa zweistündige Aufführungen. Beginn ist jeweils um 20.30 Uhr. Die Zuschauertribüne ist überdacht. Gespielt wird bei jeder Witterung, außer bei Dauerregen oder Sturm. Eintrittspreise betragen in zwei Kategorien 55 Franken (rund 60 Euro) und 49 Franken (rund 53 Euro). Ermäßigte Karten kosten 25 Franken (rund 27 Euro).
Für das Bühnenbild am Ufer des Seeburgparks zeichnet einmal mehr Damian Hitz verantwortlich. Er entwirft ein auseinandergebrochenes Wrack, in dessen Heck die Band witterungsgeschützt unterkommt.
„Das Wasser ist Teil des Bühnenbildes“, ergänzt Rahel Wohlgensinger. Ein Mast des Wracks dient nicht nur als Kulisse, sondern auch als Ort akrobatischer Kunststücke, einstudiert von der Luftakrobatin Tamara Kaufmann, die auch die Bewegungschoreografie gestaltet.
Abgerundet wird die Action durch den Konstanzer Sven Reiner, der den Schauspielern Fecht-Training erteilt und Kampfszenen einstudiert. Rahel Wohlgensinger freut sich schon auf Julia Barth in der Rolle als Mary Read: „Sie ist kampfwütig, fast schon eine Stuntfrau“, schwärmt sie. Erzählpassagen treiben das Stück voran. Ganz in der Tradition des See-Burgtheaters gibt es wieder Livemusik. „Eine Irisch-Folk-Band, aufgrund von Annes Herkunft“, sagt Simon Engeli.
Er erläutert, worum es unterschwellig auch geht: Mit dem Stück möchten sie die Frau ins Zentrum stellen. Es soll eine Ermutigung für Frauen, aber auch für Mädchen sein. Mit Rahel Wohlgensinger hat er drei Kinder. Zwei davon sind Mädchen.
„Die ältere Tochter wird 18 Jahre alt und die Jüngere ist gerade 11 Jahre alt geworden“, erzählt er. Für sie sei es auch im Jahr 2026 nicht leicht, ihre Rolle im Leben zu finden. „Ich will sie nicht ermutigen, Piratin zu werden“, sagt er scherzend. Aber mit Anne Bonny gebe es jemanden, der für sich eintritt.
Nikolaj Schutzbach Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis
78462 Konstanz Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis
Burgtheater Icon Haken im Kreis gesetzt Icon Plus im Kreis
