Die Waffenruhe im Iran lässt Anleger jubeln – der Ölpreis bricht massiv ein
Es ist, als hätte die Wirtschaftswelt darauf gewartet. Der angekündigte zweiwöchige Waffenstillstand zwischen den USA, Israel und dem Iran hat am Mittwoch an den Märkten weltweit für Erleichterung gesorgt. Die Börsenkurse katapultierte es nach oben, die Energiepreise gaben nach. Doch Fachleute warnen, dass noch nicht alle Probleme gelöst sind. Ein Überblick.
Börsen: Die Ankündigung der Waffenruhe ließ die Kurse an den Aktienmärkten sofort nach oben springen: Der deutsche Aktienindex Dax, der europäische Euro Stoxx 50 und der japanische Aktienindex Nikkei legten um rund 5 Prozent zu und hielten die Gewinne im Tagesverlauf. Der Dax übersprang damit wieder die Schwelle von 24.000 Punkten.
Zinsen: Unterstützt wird die gute Börsenentwicklung von nachlassenden Zinssorgen. Die hohen Kraftstoff- und Erdgas-Preise hatten zuletzt die Sorge vor einer stark steigenden Inflation genährt. Die Notenbanken wären dann gezwungen, die Leitzinsen zu erhöhen, um die Inflation zu bekämpfen. Hohe Zinsen erschweren die Kreditaufnahme und hemmen das Wachstum. Nun hat sich die Lage etwas entspannt: „An den Geldmärkten haben sich die Leitzinsspekulationen zugunsten einer restriktiveren Geldpolitik deutlich zurückgebildet“, schreiben die Experten der genossenschaftlichen DZ-Bank. Seien zuletzt noch gut drei Zinserhöhungen der Europäischen Zentralbank à 0,25 Prozent erwartet worden, nun seien es nur noch zwei Schritte.
Rohölpreis: Am deutlichsten machte sich der Waffenstillstand an den Energiemärkten bemerkbar: Die Ölpreise gaben prozentual zweistellig nach. Der Preis für ein Fass (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Juni fiel um bis zu 16 Prozent auf rund 92 Dollar. Am Morgen stieg der Kurs der Referenzsorte des weltweiten Ölmarkts wieder, lag aber mit 95,12 Dollar immer noch rund 13 Prozent unter dem Niveau vom Vortag. Rohöl kostet trotz des Rückgangs noch rund ein Drittel mehr als vor Beginn des Kriegs. Fachleute erwarten, dass die Spritpreise nur langsam nachgeben werden.
Erdgas: Der Preis für Erdgas sank deutlich. An der Börse in Amsterdam fiel der Preis für eine Megawattstunde zur Lieferung in einem Monat um rund 17 Prozent auf 44,13 Euro. Verbraucherinnen und Verbraucher mit laufenden Verträgen haben zwar für mehrere Monate einen festen Tarif und spürten die Verwerfungen der letzten Wochen nicht unmittelbar. Erdgas-Neuverträge waren aber nach Kriegsausbruch deutlich teurer geworden.
Handel: Mit dem Waffenstillstand verbunden ist die Hoffnung, dass Schiffe im Persischen Golf die Meerenge von Hormus bald wieder durchfahren können. Nach Angaben des Verbandes Deutscher Reeder sitzen seit Kriegsausbruch über 2000 Handelsschiffe mit 20.000 Seeleuten im Persischen Golf fest, darunter mindestens 50 Schiffe deutscher Reedereien.
Prognose: Der Konflikt ist nicht gelöst, bisher gibt es lediglich einen Waffenstillstand. Forderungen der USA und des Iran liegen weit auseinander. „So positiv diese Nachricht ist, für Euphorie ist es angesichts der Herausforderungen, die vor den Verantwortlichen liegen, sicher noch zu früh“, schreiben die Fachleute der DZ-Bank. „Bis auf Weiteres dürfte die Lage in der Region angespannt bleiben.“
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