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Und jetzt auch noch Kuba?

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17.03.2026

Es ist ein Tag, an dem wieder einmal der Strom ausfällt auf der Insel. Wie so häufig in den vergangenen Wochen. Das Leben ist schwer geworden in dem Karibikstaat. Noch schwerer als ohnehin schon. Menschen kochen auf offenem Feuer auf der Straße, Autos sind kaum mehr unterwegs, da der Sprit knapp ist, in den Krankenhäusern kämpfen die Ärzte und Schwestern um das Leben ihrer Patienten, obwohl sie nicht einmal fließendes Wasser haben. In den Straßen Havannas türmt sich der Abfall, weil den Müllautos längst der Diesel ausgegangen ist. Und dann poltert auch noch Donald Trump los.

Er glaube, dass er „die Ehre haben werde“, Kuba „in irgendeiner Form zu übernehmen“ oder zu „befreien“, sagt der amerikanische Präsident vor Journalisten im Weißen Haus. „Ich kann alles damit machen, was ich will.“ Konkreter wird er nicht. Doch die dahingesagten Sätze reichen, um alle Alarmglocken schrillen zu lassen. Grund genug, sich zu fürchten, haben die Kubaner allemal. Denn die Äußerung reiht sich ein in Trumps außenpolitische Agenda, die nicht wenige als Himmelfahrtskommando, andere sogar als Blutrausch bezeichnen würden. Erst droht er Grönland mit einer Invasion, dann lässt er Venezuelas Staatschef Nicolás Maduro von Spezialkräften entführen, schließlich greift er den Iran an. Nun also Kuba?

Venezuela darf kein Öl mehr an Kuba liefern

Dass er es ernst meint, demonstriert Trump schon seit einigen Wochen. Ende Januar hat er eine Ölblockade gegen die Insel verhängt. Jeder, der Öl nach Kuba liefert oder transportiert, muss mit Strafen rechnen. Schiffe, die sich dennoch auf den Weg in Richtung Karibik gemacht haben, wurden von der amerikanischen Marine abgefangen. Der US-Präsident nutzt vor allem seinen Einfluss auf die von ihm ins Amt gehievte Regierung in Venezuela: Das südamerikanische Land war über viele Jahre hinweg der wichtigste Öllieferant Kubas. Nun fließt nicht einmal mehr ein Tropfen. Auch Mexiko fürchtet den Furor aus dem Weißen Haus und lässt seine Tanker nicht mehr auslaufen.

Die Folgen sind gewaltig: Die Infrastruktur Kubas ist ohnehin veraltet, für die Stromversorgung ist man auf den Rohstoff angewiesen. Nicht nur, damit das Licht brennt, sondern auch, damit die Fabriken am Laufen gehalten werden können. Viele Experten warnen, dass die Verknappung von Energie über kurz oder lang zu einer humanitären Krise führen könnte. „Mit der Ölblockade der USA wird die Lage für die Bevölkerung von Tag zu Tag schwieriger“, sagt Bert Hoffmann, Politologe und Kuba-Experte am GIGA-Institut in Berlin. „Viele Reserven sind aufgebraucht. Inzwischen geht die Versorgungslage unter viele Schmerzgrenzen, ob bei der Ernährung, dem Bildungssystem, der Gesundheit.“ Trump nutze Energie als politische Waffe und betreibe eine Strategie der Erdrosselung, um die Regierung in Havanna in die Knie zu zwingen.

Aber noch steht das Regime um Präsident Miguel Diaz-Canel. Zwar wurden erstmals Gespräche mit der Trump-Regierung bestätigt und sogar politische Gefangene freigelassen – doch die Fundamente des Systems will Diaz-Canel nicht infrage stellen. Und selbst, ob die Menschen in Kuba sich „befreien“ lassen wollen, wie Trump unterstellt, ist längst nicht ausgemacht. „Ich erwarte keine breiten Demonstrationen“, sagt Hoffmann. Das liege paradoxerweise auch an der US-Politik. „Trump will mit der kubanischen Regierung einen ,Deal‘ verhandeln, bei dem die einfachen Leute nichts mitzureden haben“, sagt er. Es ist ein bekanntes Muster: Auch in Venezuela haben die USA die politische Opposition außen vor gelassen und nur mit Kräften der Regierung verhandelt.

Wirtschaft ist in der Hand des Militärs

In Washington hofft man indes, dass die blanke Not die Wut und damit den Druck auf die Regierung wachsen lässt. Und dass auch die politischen und militärischen Eliten Kubas um ihren Wohlstand fürchten. Weite Teile der Wirtschaft, darunter der Tourismussektor, werden von der GAESA kontrolliert, einem Konglomerat, das in der Hand der Revolutionären Streitkräfte liegt. Das Land selbst wird seit dem Sieg der Revolution 1959 autoritär regiert, die Kommunistische Partei und ihre korrupten Helfer kontrollieren Staat und Gesellschaft. Andere Parteien sind nicht zugelassen, demokratische Wahlen wollte die lange herrschende Castro-Familie nie dulden. Die meisten Bewohner kennen kein anderes Regierungssystem. Millionen Menschen, die das nicht mehr ertragen konnten, sind in den vergangenen Jahrzehnten in Richtung USA, Mexiko oder Spanien geflüchtet.

Das in den Reisebüro-Broschüren zelebrierte Lebensgefühl, das man in Kuba angeblich finden konnte und das jährlich mehr als zwei Millionen Reisende nach Havanna und an die Traumstrände von Varadero gelockt hat, hatte mit der Wirklichkeit schon lange nichts mehr zu tun. Misswirtschaft und das jahrzehntelange Handelsembargo der USA haben das Land an den Rand des wirtschaftlichen Zusammenbruchs gebracht. Selbst der Tourismus, über Jahrzehnte wichtige Einnahme- und Devisenquelle, ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Das Auswärtige Amt rät inzwischen von Reisen auf die Insel ab. „Es ist ein gescheiterter Staat“, urteilt Trump. Kuba-Experte Hoffmann warnt indes: „Bei allen eigenen Fehlern der kubanischen Regierung: Eine derartige Ölblockade würde auch keine andere Karibikinsel aushalten, egal, was das politische System ist.“

Exil-Kubaner hoffen auf Sturz des Regimes in Havanna

Auf Hilfe von außen dürfen die Kubanerinnen und Kubaner kaum hoffen. „Dass ein Staat in den offenen Konflikt mit den USA wegen Kuba geht – danach sieht es derzeit nicht aus“, sagt Hoffmann. „Auch aus Russland ist kein Öltanker nach Kuba gekommen.“ Sicher, das könne dazu führen, dass es vereinzelt zu Plünderungen oder anderen Ausbrüchen der Verzweiflung kommen könne, wie sie in den vergangenen Tagen auch schon zu sehen waren. Doch wer im Land, so Hoffmann, solle sein Leben riskieren, um damit eine Elite gegen die nächste auszutauschen, wie es in Venezuela geschehen ist? Wie hart die eigene Regierung bereit ist, zuzuschlagen, hatten die Kubanerinnen und Kubaner zuletzt im Jahr 2021 am eigenen Leib erfahren. Damals kam es zu Demonstrationen gegen die desolate wirtschaftliche Lage – sie wurden brutal niedergeschlagen, Hunderte ins Gefängnis gesteckt.

Einer, der die Lage besonders genau beobachtet, ist Marco Rubio, Außenminister im Dienste Trumps und Sohn kubanischer Einwanderer.  „Ich denke, wir würden es gerne sehen, wenn sich das Regime dort ändert“, sagte er jüngst bei einer Anhörung im US-Senat. Der Hass in der kubanischen Exil-Gemeinschaft in den USA ist besonders groß, sie fühlen sich ihrer Heimat beraubt, nicht wenige wollen die Regierung in Havanna fallen sehen. Und stoßen damit auf offene Ohren bei Trump.

Schlacht in der Schweinebucht als Blamage

Doch was treibt ihn an? „Sie haben kein Geld, sie haben kein Öl, sie haben gar nichts“, sagt der US-Präsident – um dann hinterherzuschieben: „Sie haben ein schönes Land.“ Allein das dürfe noch nicht einmal für den als unberechenbar geltenden Republikaner ein ausreichender Beweggrund sein. „Die USA streben die Dominanz in ganz Nord- und Südamerika an“, glaubt Kuba-Experte Hoffmann. „Dafür muss das Symbol geschliffen werden, das Kuba seit der Revolution Fidel Castros 1959 ist.“

Wie ein Stachel wirkt die nur 150 Kilometer vor dem südöstlichen US-Bundesstaat Florida gelegene Karibikinsel auf den Republikaner. Schon dass vor seiner eigenen Haustür ein kommunistisches Regime herrscht, das nicht daran denkt, sich zu unterwerfen, gilt ihm als Frevel. Noch dazu erinnert Kuba mit seiner Widerspenstigkeit an eine schmerzhafte Wunde, einen Kampf David gegen Goliath: Im Jahr 1959 war es dem linken Revolutionsführer Castro gelungen, den von der Weltmacht USA gestützten Diktator Fulgencio Batista zu stürzen. Nur zwei Jahre später scheiterte die von Amerika unterstützte Invasion in der Schweinebucht – der Einsatz wurde zur Blamage für Washington, genauso wie alle anderen Versuche, die Regierung in Havanna zu stürzen.

Allein US-Präsident Barack Obama hatte versucht, eine Annäherung zwischen den beiden Ländern herbeizuführen. Im Jahr 2016 besuchte er als erster amtierender US-Präsident seit fast 90 Jahren die Insel. Doch schon Joe Biden stoppte die Annäherung, Donald Trump bläst nun zum Angriff. Der ist zunächst auf wirtschaftliche Waffen beschränkt. „Ein militärisches Eingreifen erscheint derzeit weit entfernt“, glaubt Bert Hoffmann. „Die USA verlassen sich darauf, dass ihre Erdrosselungspolitik die Regierung in Havanna zu weitreichenden Zugeständnissen zwingen wird.“ Dies könne auch einen Wechsel in der Person des Präsidenten bedeuten, aber „zumindest kurzfristig ist wohl von einer erheblichen Kontinuität des Staatsapparats und der Sicherheitskräfte auszugehen“.

Für die Menschen bedeutet das vor allem eines: Mangelverwaltung und der Zwang zum Improvisieren.

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