Iran-Krieg verunsichert Türkei-Urlauber: Reiseanbieter „nur noch mit Stornierungen beschäftigt“
In den letzten Jahren gewann die Türkei als Reiseziel zusehends an Bedeutung, wie Zahlen des türkischen Kultur- und Tourismusministeriums zeigen. 2025 empfing das Land knapp 52 Millionen auswärtige Touristen. In der Reiseanalyse 2025 des Deutschen Reiseverbands belegte die Türkei sogar den vierten Platz im Ranking der beliebtesten Urlaubsziele der Deutschen. Doch seit Ende Februar 2026 sorgt der Iran-Krieg für Verunsicherung unter Urlaubern. Obwohl das Auswärtige Amt keine generelle Reisewarnung für die Türkei ausgesprochen hat (Stand: 20. März 2026), entscheiden sich offenbar einige Touristen dazu, ihre Reise in die Türkei vorsichtshalber zu stornieren. Reiseveranstalter zeigen sich besorgt.
Türkei-Urlaub während des Iran-Kriegs: Was sollten Reisende wissen?
Im Rahmen der militärischen Auseinandersetzungen zwischen Iran, Israel und den USA vermeldete die Türkei im März 2026 innerhalb weniger Tage drei Raketenangriffe, die laut dem türkischen Verteidigungsministerium von Nato-Luftabwehrsystemen abgefangen wurden. Trotz der angespannten Lage im Nahen Osten besteht für die Türkei derzeit keine flächendeckende Reisewarnung des Auswärtigen Amts.
Allerdings hat die Behörde Reisehinweise für bestimmte Regionen erlassen: „Von nicht notwendigen Reisen in das Grenzgebiet der Türkei zu Iran, Irak und Syrien in den Provinzen Agrı, Igdır, Van, Şanlıurfa, Mardin, Sırnak und Hakkâri wird abgeraten“, heißt es in den Sicherheitshinweisen, welche die Behörde für die Türkei veröffentlicht hat. Für alle anderen Gebiete, einschließlich beliebter Urlaubsziele an der türkischen Riviera und Ägäis, bestehen hingegen keine Reisewarnungen. Da sich die Sicherheitslage im Nahen Osten jedoch schnell ändern kann, sollten sich Reisende laufend über die aktuelle Situation informieren und regelmäßig die offiziellen Reisehinweise auf der Website des Auswärtigen Amts oder in der App „Sicher Reisen“ überprüfen.
Im Falle „außergewöhnlicher Umstände“ direkt am Urlaubsort, die ein erhebliches Sicherheitsrisiko für Reisende darstellen, haben Pauschalurlauber nach Angaben des ADAC Anspruch auf eine gebührenfreie Stornierung. Solange keine offizielle Reisewarnung für die Türkei vorliegt, sind die Aussichten auf eine vollständige, kostenfreie Rückerstattung jedoch schlecht. Dennoch entscheiden sich nun offenbar einige Touristen, ihren geplanten Türkei-Urlaub nicht anzutreten.
Welche Auswirkungen hat der Iran-Krieg auf die Tourismusbranche in der Türkei?
Der Iran-Krieg stellt die Tourismusbranche in den umliegenden Regionen vor große Herausforderungen. Je nachdem, wie lange die Auseinandersetzungen anhalten und wie sich der Konflikt entwickelt, prognostiziert die internationale Beratungsfirma Oxford Economics in einer aktuellen Analyse, dass die Besucherzahlen im Mittleren Osten 2026 im Vergleich zum Vorjahr um 11 bis 27 Prozent einbrechen könnten.
„Konflikte wie die aktuelle Eskalation im Nahen Osten haben unmittelbare Auswirkungen auf die Reisewirtschaft“, erklärt auch der Deutsche Reiseverband (DRV) der Deutschen Welle (DW). Direkt nach Ausbruch des Krieges habe der DRV unabhängig vom Reiseziel eine gewisse Zurückhaltung bei Neubuchungen beobachtet. Als weitere Folge sei mit einem Anstieg der Flugpreise zu rechnen. Zudem mache sich eine Verschiebung der Urlaubsdestinationen weg von Ländern des Mittleren Ostens und hin zu Zielen in Westeuropa bemerkbar. Statt für die Türkei würden sich europäische Urlauber derzeit häufiger für Urlaub in Italien, Spanien, Griechenland, Portugal, Kroatien oder Fernreisezielen wie die Karibik entscheiden, geben die Reiseveranstalter Tui und Hays Travel in der britischen Tageszeitung The Guardian an.
Insbesondere der Osten und Südosten der Türkei habe aktuell mit zahlreichen Stornierungen von Unterkünften und Touren zu kämpfen, heißt es im DW-Bericht. Seitdem Israel und die USA am 28. Februar 2026 den Iran angegriffen haben, sei der Tourismus in den türkischen Grenzregionen fast vollständig zum Erliegen gekommen, schildert Onur Tuncdemir vom türkischen Reiseveranstalter Ayanis Tour gegenüber DW. „In den letzten Wochen sind wir nur noch mit Stornierungen und Rückerstattungen bereits angenommener Anzahlungen beschäftigt“, berichtet er.
Beliebte türkische Urlaubsorte wie Istanbul, Bodrum und Antalya seien bislang hingegen von Stornierungswellen und Einbrüchen der Besucherzahlen weitestgehend verschont geblieben, gibt Kaan Kavaloglu, Vorsitzender des Verbands der Hoteliers und Betreiber von Tourismusbetrieben im Mittelmeer (AKTOB), gegenüber der DW an. In diesen Gebieten bestehe keine Gefahr für Urlauber, macht Kavaloglu klar. Auch die Reservierungen deutscher Touristen blieben hier weiterhin stabil im gewohnten Bereich.
Sommerurlaub in der Türkei: Wie könnten sich die Touristenzahlen entwickeln?
Die Hauptreisesaison 2026 steht der Türkei noch bevor. Die Tourismusbranche blickt daher erwartungsvoll auf die kommenden Monate. So erklärt Muberra Eresin, Vorsitzende des türkischen Hoteliersverbands TÜROB im Gespräch mit Turkiye Today, dass zwar aktuell eine gewisse Unsicherheit und Zurückhaltung von Reisenden aus dem Ausland spürbar sei, sie jedoch davon ausgehe, dass sich die Besucherzahlen in den nächsten Monaten wieder erholen werden. Die Urlaubsstornierungen hielten sich insgesamt in Grenzen und dürften nach Eresins Einschätzung kein langfristiges Problem für den Tourismussektor im Land darstellen. Die Nachfrage in den Sommermonaten befände sich laut der TÜROB-Vorsitzenden weiterhin auf hohem Niveau.
Auch bei Urlaubern aus Deutschland steht die Türkei im Sommer 2026 hoch im Kurs. Zwischen Mai und Oktober stellt das Land nach Angaben des DRV das beliebteste Reiseziel der Deutschen dar – so zumindest der Stand Ende Januar 2026. Wie viele dieser geplanten Reisen dann tatsächlich angetreten werden, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten herausstellen. Wie die DW betont, hängt das auch von der Dauer des Krieges im Nahen Osten und der anschließenden Lage vor Ort ab – Faktoren, die derzeit noch nicht absehbar sind.
Übrigens: Wer Urlaub in der Türkei machen will, kann entweder mit dem deutschen Reisepass oder Personalausweis einreisen. Allerdings sollte das Dokument in gutem Zustand sein, denn ein beschädigter Reisepass könnte zu Problemen bei der Einreise führen.
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