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Simson den Deutschen? Sachsen-Anhalt, Kult-Moped und AfD

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06.07.2026

Samstagmittag. Am Rande der Dorfstraße in der Magdeburger Börde wehen Fahnen im Wind, der die glühende Hitze erst erträglich macht. Auf ihnen prangen Hammer und Zirkel, umgeben von einem Ährenkranz. „Auferstanden aus Ruinen“ – Schwarz-Rot-Gold. Die Flagge der DDR. „Deutschland einig Vaterland“. Ein süßlich-scharfer Geruch nach verbranntem Benzin liegt in der Luft. Der wummernde Bass einer riesigen Anlage wird von knatternden Zweitaktmotoren übertönt. Ihre Fahrer – schwarze Shirts, Aufschrift „Grenzkompanie“, „Waffenschmiede Suhl“, „Ostdeutschland“ – lassen ihre Mopeds immer wieder aufheulen. Außerhalb des Veranstaltungsgeländes grölen Männer „Deutschland den Deutschen. Ausländer raus!“ zu Gigi D’Agostinos „L’amour toujours“. Auf Deutsch: „Liebe für immer.“

Aber eigentlich geht es hier nicht um Politik, nicht um Ideologie, schon gar nicht um Rassismus. Eigentlich ist dieses Treffen den Simsons gewidmet, den Mopeds der DDR. Die Modelle heißen Spatz, Star, Schwalbe und S51. Was Vespa und Kreidler für den Westen waren, waren die Mopeds aus dem Städtchen Suhl für den Osten. Heute werden sie von Jugendlichen verehrt, die Erich Honecker nur aus dem Geschichtsbuch kennen.

Simsons bedeuten Freiheit und Unabhängigkeit

Etwa 1700 solcher Simsons stehen fein säuberlich aufgereiht zwischen Waldkiefern, Pappeln und Weizenfeldern auf einem Sportplatz in Kathendorf. Zwischen den Reihen drängen sich die Moped-Fans, die meisten von ihnen unter 20 Jahren. Sie bestaunen die extravaganten Karosserien: violette Speichenräder, frisierte Rennauspuffe, veredelte Federbeine. Kein Zweitakter sieht aus wie der andere. Sechs Millionen solcher Maschinen wurden in der sozialistischen Republik gebaut, nach der Wiedervereinigung brach die Produktion zusammen. Doch Simson, das „war und ist ein Volksfahrzeug“, erklärt Steffen Krüger aus dem Nachbarort Oebisfelde.

Der 48-Jährige und seine Freunde fuhren schon in ihrer Jugend mit dem Kult-Moped: zur Arbeit, an den See oder zur Eisdiele. Das sei damals pragmatisch gewesen, denn auf dem Land kam man ohne motorisierten Untersatz kaum von A nach B. „Wir waren unabhängig. Das war Jugend“, sagt Krüger. Daran hat sich bis heute wenig geändert. Vergeblich sucht man Supermarkt, Bank oder Schule in Kathendorf. Werktags fährt alle zwei Stunden ein Bus, der letzte um 15:30 Uhr. Die Simson bedeutet........

© Südkurier