menu_open Columnists
We use cookies to provide some features and experiences in QOSHE

More information  .  Close

US-Wahlkreise: Wie sich Parteien ihren Sieg zurechtschneiden

9 0
yesterday

Wie bizarr der Neuzuschnitt von Wahlkreisen in den USA enden kann, zeigte sich zuletzt an einer einfachen Kreuzung in der Kleinstadt Millcreek. Nicht zwei, nicht drei, sondern vier verschiedene Bezirke des Bundesstaates Utah konnte man hier zeitweise zu Fuß erreichen - je nachdem, in welche Richtung man ging. Millcreek ist ein Extrembeispiel für die Praxis des „Gerrymandering“. Der Zuschnitt von Wahlkreisen zugunsten der eigenen Partei könnte bei den Kongresswahlen im November das Zünglein an der Waage sein.

„Gerrymandering“ ist fast so alt wie die Vereinigten Staaten selbst - und doch ist das Thema so brisant wie lange nicht. Denn die Parteien gehen ein halbes Jahr vor den wichtigen Zwischenwahlen immer aggressiver vor, nicht zuletzt auf Druck von Präsident Donald Trump.

Experten warnen, die Praxis beraube demokratische Wahlen ihrer Legitimität, weil sich Wähler nicht mehr ihre Vertreter aussuchten, sondern umgekehrt. Am Ende, so die Kritik, komme es nur noch auf einige wenige Bezirke an, in denen die Wähler tatsächlich eine ausgangsoffene Wahl hätten.

Mehrheiten werden aufgespalten, bis die Stimmen verpuffen

Die Stadt Millcreek ist dabei ein Paradebeispiel. Vier Wahlbezirke gibt es in Utah, nahezu im gesamten Bundesstaat liegen die Republikaner vorn - nicht aber im Ballungsraum Salt Lake City, zu dem auch Millcreek gehört. In der Folge entwarfen die Republikaner die vier Bezirke so, dass alle vier stark republikanischen Wahlkreise einen Teil des Ballungsraums einschlossen, um die demokratischen Stimmen damit quasi zu neutralisieren. Wer........

© Südkurier