Damit Bürger über früheres Leid stolpern: Initiative will mit Steinen im Boden „das Menschsein zurückgeben“
Termine mit Gunter Demnig zu bekommen, ist schwierig, doch der Initiative „Stolpersteine für Konstanz – Gegen Vergessen und Intoleranz“ gelang es, den Initiator des Kunstprojekts zur Verlegung der nächsten 13 Gedenktafeln aus Messing in die Konzilstadt zu holen. Der 78-Jährige erinnert mit Stolpersteinen und Stolperschwellen an Opfer des Nationalsozialismus. Rund 160.000 Stück wurden bislang in Europa verlegt, davon 298 in Konstanz. Diesmal wird dabei an sechs Juden, drei politisch Verfolgte, zwei Opfer von „Euthanasie“, einen Zwangssterilisierten und eine Zeugin Jehovas erinnert.
Dazu gehört etwa das jüdische Ehepaar Siegfried und Anna Meissner mit den Söhnen Erwin und Lothar: Die Familie wurde 1940 nach Gurs deportiert. Die betagten Eltern wurden zwar freigelassen, doch nach der Ermordung der Brüder in Auschwitz starb die Mutter „vor Kummer und Gram über den Tod ihre Söhne an Herzlähmung“, gab ihr Mann an.
Oder Theresia Miller, die als Teilnehmerin der Ernsten Bibelforscher (Zeugen Jehovas) von einem Sonderkommando der Gestapo (Geheime Staatspolizei) in Schutzhaft genommen wurde – denn die Bibelforscher galten als „Staatsfeinde“, weil sie Hitlergruß, Wehrdienst, die Teilnahme an Wahlen und den Beitritt zu NS-Organisationen verweigerten.
Die Recherche der Lebensgeschichten ist oft mühsam
Der SÜDKURIER sprach mit Katrin Brüggemann, Sabine Bade und Petra Quintini von der Initiative Stolpersteine über die Recherchen. Die drei Frauen und ihre Mitstreiter nutzen unter anderem das Staatsarchiv Freiburg, das Stadtarchiv, das Kreisarchiv und die Gedenkseiten der Gedenkstätte Yad........
