Unklare Zeitvorgaben erschweren Planung von Wohnraum für Sisslerfeld
Zum Unternehmerdialog zum Thema Sisslerfeld, dem in Planung befindlichen Industriegebiet, und dessen Auswirkungen auf den regionalen Immobilienmarkt, trafen sich am Donnerstagabend, 23. April, ausgewählte Unternehmer, Investoren und Entscheidungsträger der Region für einen offenen Austausch bei der Firma Kestenholz in Bad Säckingen.
Besondere Lage des Sisslerfelds
Sebastian Wilske, Leiter des Regionalverbandes Hochrhein-Bodensee, referierte über die Vorzüge und Nachteile des Sisslerfelds. Die besondere Situation dabei sei, dass sich das Gebiet über die Gemarkung von vier Gemeinden erstrecke. In der Schweiz gelte es somit, vier unterschiedliche kommunale Bauvorgaben zu vereinen, um die Planungen in die Tat umsetzen zu können. Trotz der Klärung vieler offener Punkte gebe es noch unklare Zeitvorgaben. Das gestalte die Planung für den anstehenden Immobilienbedarf sowie die Gewinnung von Investoren für Großwohnprojekte auf deutscher Seite sehr schwierig.
Gemäß Berechnung sollen 10.000 neue Arbeitsplätze entstehen, wobei hier nur die Fachkräfte berücksichtigt wurden. Hinzu kämen etwa noch die weiteren benötigten Mitarbeitenden sowie deren Familien. Für die Grenzregion gehe man von etwa 40 Prozent zusätzlichen Grenzgängern aus, die auf der deutschen Seite mit Wohnraum versorgt werden müssten.
Wohnungsmarkt ist bereits sehr angespannt
Der schwierige Punkt dabei ist laut Wilske, dass es bisher keine klaren Zeitvorgaben gebe, wann zusätzlicher Wohnraum benötigt werde. Von der Ansiedlungsbestätigung bis zum Start eines Unternehmens seien es etwa zwei Jahre Vorlaufzeit. Klar müsse auch sein, so Wilske, dass die Stellen im Sisslerfeld nicht zwangsläufig mit Menschen aus der Region besetzt würden. Die Großkonzerne lassen demnach oft im Rotationsverfahren Mitarbeitende aus dem Ausland für zwei bis drei Jahre an unterschiedlichen Standorten arbeiten, was jedes Mal einen Umzug bedeutet. Diese Expats wären somit weniger an Einfamilienhäusern, sondern mehr an Mietwohnungen interessiert. Nicht zu vergessen sei hier, dass der Wohnungsmarkt aktuell bereits sehr angespannt sei.
Axel Richter von der IMS machte die Sicht der Immobilienbranche klar: Eine Wohnung benötige von der Planung bis zum Bezug zweieinhalb Jahre Zeit. Bedingung sei hier aber, dass das Grundstück vorhanden sei und es keine Probleme mit Genehmigungen oder Materiallieferschwierigkeiten gebe. Als Beispiel für die aktuelle Lage führte er an, dass er allein für eine Wohnung in Wehr-Öflingen 30 Bewerbungen erhalten habe. Da sei die Wohnraumerstellung für so viele Menschen innerhalb der „Abruffrist“ nicht realisierbar.
Mietpreise müssen bezahlbar sein
Klaus Denzinger, Altbürgermeister von Wehr, brachte angesichts der bereits hohen Grenzgängerrate von 67.000 täglichen Pendlern in die Schweiz, von denen auch der Raum Wehr betroffen ist, den Aspekt der besseren Anbindung und des ohnehin schon großen Verkehrsaufkommens in die Diskussion ein. Er forderte die Beachtung einer zweiten Autobrücke über den Rhein, um die Grenzübergänge Laufenburg, Bad Säckingen und Rheinfelden zu entlasten, wie auch den öffentlichen Nahverkehr, der als Testphase von Bad Säckingen ins Sisslerfeld geplant ist. Hier forderte Denzinger zwingend eine Anbindung an den Bus-Shuttle auch für Wehr. Schließlich liege es im Interesse aller, so viele Autos wie möglich von der Straße zu holen, indem Fahrgemeinschaften gebildet werden können – hier mithilfe des ÖPNV.
Ebenso wurde während der Diskussion der Aspekt der Mietpreise angesprochen, da sich Menschen mit Schweizer Gehältern höhere Mieten leisten können. Hier müsse zwingend darauf geachtet werden, dass das vorhandene Angebot und die dann noch höhere Nachfrage nach Wohnraum die Preise nicht in unüberwindbare Höhen für die Lokalbevölkerung treiben.
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