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Hund frisst Cannabis: Ist das lebensgefährlich?

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tuesday

Ein aktueller Fall aus Bächingen (Bayern) zeigt, wie schnell es gehen kann: Ein Hund nahm offenbar Cannabis auf, zeigte schwere neurologische Symptome und musste in einer Tierklinik behandelt werden. Der Fall ist spektakulär, aber kein Einzelfall – Tierärzte beobachten schon seit Längerem, dass Hunde Cannabis-Reste, Joint-Stummel oder THC-haltige Lebensmittel aufnehmen – ein Problem, das auch damit zusammenhängt, dass viele Vierbeiner alles fressen, was sie finden. Im genannten Szenario überlebte der Vierbeiner – doch Vorfälle dieser Art werfen eine Frage auf, die viele Halter unterschätzen: Wie gefährlich ist THC eigentlich für Hunde?

Wie gefährlich ist Cannabis für Hunde?

Cannabis kann für Hunde lebensgefährlich sein – auch wenn tödliche Verläufe insgesamt selten sind. Ähnliche Risiken sind vielen Haltern bereits von anderen Stoffen bekannt, etwa von Schokolade, die für Hunde schon in kleinen Mengen giftig sein kann. Je nach aufgenommener Menge kann THC Herzrhythmusstörungen, Krampfanfälle, Koma oder im Extremfall einen Herzstillstand auslösen. Der Deutsche Tierschutzbund spricht von einer hohen Morbidität: Viele Tiere erkranken deutlich, sterben aber vergleichsweise selten, wenn sie rechtzeitig behandelt werden. Auch veterinärmedizinische Fachquellen, wie MSD Veterinary Manual bestätigen dieses Bild. Die meisten Hunde erholen sich innerhalb von ein bis drei Tagen, benötigen aber häufig tierärztliche Betreuung.

Warum reagieren Hunde so stark auf THC?

Cannabis ist für Hunde vor allem gefährlich, da sie empfindlicher auf THC reagieren als Menschen. Der Grund liegt laut dem Cornell College of Veterinary Medicine unter anderem in der höheren Dichte von Cannabinoid-Rezeptoren im Gehirn, die unter anderem Bewegung, Wahrnehmung und Kreislauffunktionen beeinflussen. Hinzu kommt: Hunde nehmen Cannabis meist unkontrolliert auf – etwa als Joint-Stummel, als Krümel von Haschkeksen oder als THC-haltige Lebensmittel. Gerade sogenannte „Edibles“ sind besonders riskant, weil sie für Hunde attraktiv riechen und oft weitere giftige Inhaltsstoffe enthalten – etwa Schokolade oder Zuckerersatzstoffe wie Xylit, das für Hunde sogar lebensgefährlich sein kann.

Welche Symptome zeigen Hunde, nachdem sie Cannabis aufgenommen haben?

Typische Anzeichen dafür, dass ein Hund Cannabis aufgenommen haben könnte, sind laut MSD Manual:

vermehrter Speichelfluss

unkontrollierter Urinabsatz

Überempfindlichkeit auf Geräusche und Berührungen

In schwereren Fällen kann es zu Krampfanfällen, Kreislaufproblemen oder sogar Koma kommen. Die Symptome treten oft schnell auf – teilweise schon innerhalb von 20 bis 30 Minuten nach der Aufnahme.

Was tun, wenn der Hund Cannabis aufgenommen hat?

Die wichtigste Regel ist dann: sofort zum Tierarzt. Je schneller ein Hund behandelt wird, desto besser sind die Chancen, schwere Verläufe zu vermeiden. Der Deutsche Tierschutzbund weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Ehrlichkeit der Halter hier das oberste Gebot sei. Man solle offen ansprechen, wenn der Verdacht auf THC bestünde. Nur so könne ein Arzt die richtige Diagnose stellen und gezielt behandeln.

Eine spezielle Gegenmedizin für Hunde im Rausch gibt es nicht. Die Behandlung erfolgt unterstützend – etwa durch Infusionen, Überwachung und Medikamente gegen Symptome.

Was bedeutet die Cannabis-Legalisierung für Hundebesitzer?

Ein „bekiffter Hund“ mag auf den ersten Blick kurios wirken – medizinisch ist es das Gegenteil. THC kann bei Hunden schwere Vergiftungserscheinungen auslösen und im Einzelfall lebensbedrohlich sein.

Seit dem 1. April 2024 ist Cannabis in Deutschland unter bestimmten Bedingungen legal. Erwachsene dürfen laut dem Bundesgesundheitsministerium begrenzte Mengen besitzen und anbauen. Für Haustiere gibt es seit dem Cannabisgesetz jedoch keine speziellen Schutzregeln. Umso wichtiger ist daher der verantwortungsvolle Umgang von Hundehaltern: Cannabis sollte immer sicher aufbewahrt und nicht in Reichweite von Tieren gelagert werden.

Übrigens: Nicht jedes Lebensmittel ist für Hunde gleichermaßen problematisch. Während einige Obstsorten in kleinen Mengen unbedenklich sind, können andere Stoffe schwere Vergiftungen auslösen. Obstsorten wie Äpfel sind für Hunde beispielsweise erlaubt, während Halter bei Haselnüssen vorsichtig sein sollten.

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© Südkurier