So setzt Rickenbach die Betreuungspflicht um
Einstimmig beschloss der Gemeinderat Rickenbach in seiner Sitzung vom Dienstag, 17. März, ein seitens der Caritas Hochrhein vorgelegtes Konzept für die Ganztagsbetreuung der Grundschulkinder der ersten Klasse ab dem Schuljahr 2026/27. Das Gremium setzt damit einen Rechtsanspruch der Eltern auf eine Ganztagsbetreuung um, die ab dem Folgejahr auf die Klassenstufen drei bis vier ausgeweitet wird.
Wie viel kostet die Ganztagsbetreuung?
Für die an fünf Tagen in der Woche angebotene Frühbetreuung von 7.15 bis 18.15 Uhr fallen monatlich 50 Euro an – die Betreuung von 12.40 bis 14 Uhr kostet an zwei Wochentagen 42 Euro, an drei Tagen 54 Euro, für vier Tage 66 Euro und an fünf Tagen 78 Euro. Bei der Betreuung von 12.40 Uhr bis 16 Uhr fallen Kosten in der Höhe von 92 Euro an, über 122 und 152 Euro bis zu 182 Euro. Die Ferienbetreuung wird 125 Euro pro Woche kosten. Für ein Mittagessen sind 3,50 Euro zu entrichten.
Die Caritas Hochrhein bietet an der Grundschule Rickenbach bereits seit geraumer Zeit eine Frühbetreuung sowie eine Mittagsbetreuung an drei Wochentagen an. „Wir arbeiten hier schon seit Jahren ausgezeichnet mit der Caritas zusammen und haben sie daher beauftragt, ein Konzept für die Ganztagsbetreuung zu erarbeiten“, begründete Rickenbachs Bürgermeister Dietmar Zäpernick die Übernahme der Trägerschaft durch den kirchlichen Träger vor dem Gemeinderat.
Vier Module werden angeboten
Zukünftig, so Michael Koubik, Geschäftsbereichsleiter der Caritas, werde diese in Rickenbach ein Betreuungsmodell an fünf Tagen mit vier Modulen anbieten: neben der Frühbetreuung von 7.15 bis 8.15 Uhr, daran anschließende Mittagsbetreuungen von 12.40 bis 14 oder bis 16 Uhr. Zusätzlich werde in einem vierten Modul eine Ferienbetreuung von 7.30 bis 16 Uhr angeboten. Erhalten bleibt parallel die Ganztagsschule in Wahlform an drei Tagen in der Woche.
Für das kommende Schuljahr, so Koubik, plane die Caritas eine Betreuungsgruppe für 24 Kinder, wofür mit Gesamtkosten von rund 148.000 Euro pro Jahr zu rechnen sei. Zu deren Deckung werde neben einer Landesförderung und einem geringen Kostenanteil für die Gemeinden Rickenbach und Herrischried mit Elternbeiträgen im Umfang von 20 bis 25 Prozent kalkuliert. Von der Gemeinde Herrischried sei eine Kostenbeteiligung zugesagt worden. Deren Umfang stehe jedoch bislang nicht fest.
Aufgrund der aktuellen Anmeldezahlen seien gegenwärtig laut Koubik für das kommende Schuljahr noch Plätze für Geschwisterkinder ab der zweiten Klasse frei. In die Zukunft geblickt, stehe der Bedarf an Betreuungsplätzen bis 2030 nicht fest, „Spätestens mit der Ganztagsbetreuung der dritten und vierten Klassen wird eine Betreuungsgruppe jedoch nicht mehr ausreichen.“ Bei der Ferienbetreuung halte er wie Bürgermeister Zäpernick eine kommunale Zusammenarbeit mit Herrischried und Görwihl nach dem Vorbild der Gemeinden Albbruck und Dogern für möglich, ergänzte er. Zur Sicherung des reibungslosen Ablaufes der Betreuung schlug er zudem einen Arbeitskreis aus Vertretern der Schule, der Gemeinde sowie der Caritas vor. Dieser solle im Februar seine Ergebnisse vorlegen – also noch vor der im März 2027 beginnenden Anmeldefrist für die Ganztagsbetreuung im Schuljahr 2027/28.
Rathaus übernimmt Kostenanteil bei Ganztagsbetreuung
Breite Unterstützung fand das pädagogische Konzept in den Reihen des Gemeinderates. Kritisiert wurde jedoch von Gemeinderat Simon Häßle (WiR) die Übernahme von Kosten durch die Gemeinde: „Denn dies geht auf Kosten der Eltern, von denen die Betreuung der Kinder selbst geleistet wird.“ Eine Einschätzung, die Bürgermeister Zäpernick zurückwies: „Diese Aufwendungen sind für die Gemeinde akzeptabel, denn wir wollen damit sicherstellen, dass die Kosten für die Betreuung sozial gerecht verteilt sind.“ Eine Einschätzung, die Rechnungsamtsleiterin Hildegard Bayer unter Verweis auf das Sozialstaatsprinzip ausdrücklich unterstützte. Einen von Gemeinderat Peter Kermisch (WiR) angeregten Sozialtarif für sozial Benachteiligte wies Caritas-Vertreter Koubik an den Gemeinderat zurück. Dieser wäre hierfür das zuständige Gremium.
Etwaigen Zweifeln an ausreichenden Räumlichkeiten für die Betreuung in der Grundschule, wie sie Gemeinderat Timo Häßle (FW) äußerte, trat Bürgermeister Zäpernick vehement entgegen: „Wir werden die Ganztagsbetreuung in dieser Schule leisten, die uns neun Millionen Euro gekostet hat. Das werden wir schaffen und nicht an einen anderen Ort ziehen.“
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