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Ein Hoch auf alle, die keine Schufte sind!

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29.05.2026

Kürzlich durfte ich den Schriftsteller Lukas Bärfuss zu einem Interview treffen. Anlass war sein neues Buch «Königin der Nacht», in dem er schonungslos ehrlich und literarisch brillant über seine Mutter schreibt; jene Frau, von der er nie Liebe erfahren hat, die ihn schwer vernachlässigt und mit 15 in die Obdachlosigkeit getrieben hat. Heute ist Bärfuss ein gefeierter, vielfach ausgezeichneter Autor und Dramaturg. In seinen Büchern thematisiert er immer wieder die Welt, aus der er kommt: die Armut, Ausgrenzung und Einsamkeit, die er erlebt hat, aber auch die Gesellschaft, die das zugelassen hat. Darüber zu berichten sei seine Pflicht als «Überlebender», sagt er – und die Pflicht eines Privilegierten. Denn: «Wer privilegiert ist, sollte sich fragen, wem er diese Privilegien zur Verfügung stellen kann», sagt Bärfuss. «Sonst ist man ein Schuft.»

Sonst ist man ein Schuft. Der Satz hängt mir seither nach. Und seither begegnen mir immer wieder Leute, die im bärfuss’schen Sinn keine Schufte sind, weil sie Zeit, Intelligenz, Einfluss, Kraft, Talent und manchmal auch Millionen........

© Solothurner Zeitung